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Baukasten:Alternative Finanzsysteme

Alternative Finanzsysteme

Alternative-finanzsysteme.jpg


In diesem als Spiel konzipierten Baustein geht es um den Vergleich unseres Wirtschafts- und Finanzsystems mit möglichen Alternativen. Im Fokus stehen dabei die Unterschiede zwischen den Finanzsystemen; es ist also nicht Ziel des Spiels, jedes der Finanzsysteme im kleinsten Detail durchblickt zu haben. Neben dem gegenwärtigen Finanzsystem werden das Vollgeldsystem und das immer mehr an Bedeutung gewinnende System der Kryptowährung (vgl. Bitcoin, Ethereum, …) vorgestellt.

Zu Beginn des Bausteins gibt es eine kleine Einführung in die Finanzsysteme gegeben, auf die das eigentliche Spiel folgt. Im Spiel treten die drei genannten Finanzsysteme gegeneinander an und müssen in den Bereichen Bürger (Zufriedenheit), Wirtschaft (Zufriedenheit) und Wohlstand (Staatshaushalt) durch das Sammeln von Punkten überzeugen. Die Finanzsysteme müssen auf bestimmte Ereignisse (Krisensituationen) im Rahmen ihrer Möglichkeiten reagieren. Jede Handlung wirkt sich dabei auf die drei Zielgrößen aus. Auf das Spiel folgt eine Abschlussdiskussion, in der die Ereignisse und jeweiligen Handlungsmöglichkeiten aus dem Spiel reflektiert und auf einen Gesamtkontext übertragen werden sollen.

Titel
Alternative Finanzsysteme
Thema
Alternative Finanzsysteme - Ein Blick über den Tellerrand der heutigen Wirtschaft.
Typ
Spiel
Schlagwörter
Spiel, Wirtschaft, Finanzen, Währungen, Banken, Bitcoin, Vollgeld, Gesellschaft
Lernziele

  • Vermittlung von Fakten zu alternativen Finanzsystemen → Erkennen ihrer Eigenschaften
  • Anregung eines Denkprozesses in Bezug auf Umsetzbarkeit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit alternativer Finanzsysteme
Kompetenzen
  • Bewertung und Abstraktion komplexer Sachverhalte auf vereinfachter Ebene anhand verfügbarer Informationen
  • Überlegungen zu Voraussetzungsketten von Finanzsystemen in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit
  • Vermittlung anforderungsbasierten Denkens in Anwendung auf betroffene Personengruppen
  • Lernformen
  • Faktenorientiert - Zu den einzelnen Finanzsystemen werden prägnante Fakten vermittelt, die im Laufe des Spiels reflektiert und eingesetzt werden.
  • Kooperativ - Das Spiel ist diskussionsbasiert und fördert somit eine kooperative Problemlösung.
  • Methoden
    Frontal-Präsentation, kooperatives Spiel, Diskussion, Feedback
    Gruppengröße
    6 - 20 Personen
    Dauer
    60 Minuten
    Material und Räume
    Einführungspräsentation, Spielkarten und Auswertungsbögen, Stifte (je 3 Farben pro Gruppe)
    Qualität
    Welche Qualität hat der Baustein? Bedarf es einer Überarbeitung?
    Semester
    Sommersemester 2017


    Vorbereitung

    Vorbereitung für die Moderation

    Die Moderation dieses Spiels sollte sich im Vorfeld mit den behandelten Finanzsystemen vertraut machen. Zu diesem Zweck wurde eine kleine Einführung in die drei Finanzsysteme Kryptowährung, Vollgeld und das aktuelle System geschrieben, die sich konkret mit den im Spiel behandelten Punkten beschäftigt. Diese findet sich in dem Dokument Alternative Finanzsysteme - Einführung.pdf.

    Weiterhin sollte sich die Moderation mit den Spielregeln vertraut machen, die unter dem Punkt Spieldurchführung in dieser Dokumentation festgehalten sind. Es ist wichtig, dass die Moderation zu jedem Zeitpunkt genau anleiten kann, was in der aktuellen Spielphase geschieht, dieser Punkt ist also sehr wichtig!

    Weiterhin wird eine Einführungspräsentation vor den Teilnehmenden gehalten, die die Finanzsysteme kurz zusammenfasst und die Spielregeln erklärt. Diese sollte ebenfalls im Vorfeld angeschaut werden. Die Präsentation findet sich unter dem Namen Einführungspräsentation.pdf

    Diese drei Punkte sollten nach Möglichkeit vor dem Weiterlesen dieser Dokumentation erfolgen, da der Ablaufplan sonst möglicherweise unverständlich erscheint.

    Vorbereitung für die Teilnehmenden

    Die Teilnehmenden müssen kein Vorwissen mitbringen, eine Vorbereitung seitens der Teilnehmenden ist also nicht nötig.

    Materialien und Räume

    Vor der Durchführung des Bausteins sollte der Raum vorbereitet werden. Die Details dazu finden sich im Ablaufplan.

    Benötigt wird:

    • Das Spiel (Infokarten, Ereigniskarten, Handlungskarten, Auswertebögen, Sanduhr/Stoppuhr)
    • 3 verschiedenfarbige Folienmarker pro Spielgruppe
    • Ein Tisch pro Spielgruppe
    • Beamer für die Einführungspräsentation, diese kann aber auch auf einem Laptopbildschirm gehalten werden

    Ablaufplan.

    -10. Minute - Vorbereitung im Raum

    Der Raum sollte entsprechend der erwarteten Teilnehmendenzahl vorbereitet werden. Jede Spielgruppe sollte aus mindestens 2 und maximal 6 Personen bestehen (idealerweise 2-3 SpielerInnen pro Gruppe), hierbei sollte darauf geachtet werden, dass alle drei Spielgruppen etwa gleich groß sind. Der Spieltisch sollte also so viel Platz bieten, dass alle drei Gruppen plus drei Experten an ihm Platz finden. Optimal wäre es, wenn jede Spielgruppe einen eigenen Tisch zur Verfügung gestellt bekäme, diese können dann zu einem großen Spieltisch zusammengeschoben werden. Bei einer hohen Teilnehmendenzahl kann das Spiel auch parallel an zwei Spieltischen gespielt werden, dies gilt es im Fall zu berücksichtigen.

    Auf den Tischen sollten bereits vor Spielbeginn die Infokarten zu den jeweiligen Finanzsystemen und die dazugehörigen Handlungskarten zugedeckt (also mit der Vorderseite nach oben) für die drei Gruppen bereitgelegt werden. Die Gruppenzugehörigkeit der Karten lässt sich mit Hilfe der Farben bestimmen.

    Weiterhin sollte die Einführungspräsentation präsentationsbereit vorbereitet sein (entweder auf einem Beamer oder auf einem Laptopbildschirm).

    Zu Beginn des Bausteins sollte zudem eine Stuhlreihe aufgebaut werden, so dass ein gemeinsamer Anfang realisiert werden kann und alle Teilnehmenden eine gute Sicht auf die Einführungspräsentation haben.

    00. Minute - Begrüßung und Einführungspräsentation

    Nachdem alle Platz genommen haben, begrüßen die Durchführenden die Teilnehmenden und erklären in wenigen Sätzen das Konzept des Bausteins. Als unterstützendes Mittel dient hier die Einführungspräsentation, welche einen kurzen Überblick über die Geschichte des Geldes gibt, die Spielregeln erläutert und das Lernziel des Spiels und des Bausteins vorstellt.

    5. Minute - Gruppeneinteilung

    Im Anschluss findet die Gruppeneinteilung statt, es wird also entschieden, wer welches Finanzsystem spielt. Da erfahrungsgemäß wenig Teilnehmende das aktuelle Finanzsystem spielen wollen, wird eine Einteilung durch Durchzählen (1-3) empfohlen. Es sollte im Vorfeld in Abhängigkeit der Teilnehmendenzahl überlegt werden, ob es ein oder zwei Spieltische geben soll. Da die jeweiligen Finanzsysteme im Optimalfall durch 2-3 Personen vertreten sind, empfiehlt es sich, ab einer Gesamtteilnehmendenzahl von mehr als 11 Spielern auf zwei Spieltische auszuweichen. So kann das Spiel dann parallel gespielt werden und bietet den SpielerInnen mehr Raum und Zeit sich in die Lösungssuche einzubringen und die aufkommenden Überlegungen untereinander zu diskutieren.

    7. Minute - Infokarten lesen

    Die Gruppen können sich nun zum Spieltisch begeben und ihren Platz einnehmen, der sich anhand der dort vorliegenden farbigen Materialien zuordnen lässt. An jedem Spieltisch sollten nun ebenfalls drei der durchführenden Personen Platz nehmen, welche im gesamten Spielverlauf als ExpertInnen für jeweils eines der drei Systeme für Fragen und Verständnisprobleme zur Verfügung stehen oder Anregungen und Input geben können.

    Anschließend sind knapp 8 Minuten Zeit, um gruppenintern die Infokarten zu lesen, welche die groben Eigenschaften des jeweiligen Finanzsystems zusammenfassen. Hierbei können die Experten bei Fragen zu Rate gezogen werden.

    15. Minute - Spieldurchführung

    Es folgt die eigentliche Spieldurchführung. Hierbei werden nach und nach mehrere Ereignisse gespielt und die gewonnenen Punkte jeweils in den Auswertungsdiagrammen festgehalten. Die Durchführenden können sich hier im Vorfeld aussuchen, ob sie die Ereignisse chronologisch durchspielen (1-5) oder ob eine eigene Reihenfolge festgelegt wird. Sollte eine eigene Reihenfolge bevorzugt werden, so sollten jene Ereignisse gewählt werden, welche in der Gruppe der Durchführenden während der Vorbereitung am kontroversesten diskutiert wurden.

    Wichtig ist es, dass der/die SpielleiterIn die Gruppe vor Beginn des Spiels darauf hinweist, dass es nicht einzig und allein um das Gewinnen geht, sondern vielmehr darum, die unterschiedlichen Systeme kennenzulernen und ihre Eigenschaften zu erfassen. Des Weiteren handelt es sich bei den Ereignissen um wirtschaftliche Krisensituationen, im Zentrum steht also nicht das Sammeln von Punkten, sondern eine Schadensbegrenzung, also ein möglichst geringer Verlust an Punkten.

    Beim Spielablauf ist darauf zu achten, dass die Zeiten in etwa eingehalten werden. Diskussionen während des Spiels sind wichtig und gewünscht, es sollte jedoch nicht zu ausufernd werden, da für einen guten Lerneffekt mehrere Ereignisse (min. 3) gespielt werden sollten. Der Ablauf einer Spielrunde folgt folgendem Schema:

    1. Eine/r der Spielleitenden liest die Ereigniskarte vor und nennt die Nummer des Ereignisses
    2. Die Spielgruppen nehmen sich die dazu passenden Handlungskarten ihres Systems - erkennbar an der Zahl oben rechts auf den Karten (Achtung: Die Handlungskarten dürfen nicht gedreht werden, da auf der Rückseite die Ergebnisse vermerkt sind)
    3. In den Gruppen werden die Handlungsmöglichkeiten durchgelesen und diskutiert. Gemeinsam wird eine Handlung ausgewählt
    4. Die gewählte Reaktionskarte wird umgedreht und das Ergebnis gruppenintern gelesen und diskutiert. Die vermerkten Punkte werden in die Tabelle eingetragen.
    5. Die einzelnen Gruppen berichten nun in wenigen Worten der gesamten Spielgruppe, für welche Handlung sie sich entschieden haben und weshalb. Weiterhin stellen sie die Ergebnisse der Kartenrückseite vor und erklären diese möglichst spezifisch für ihr System.

    Für die Punkte 1-4 sollten etwa 5 Minuten eingeplant werden (für das erste Ereignis etwas mehr, für die weiteren etwas weniger). Der fünfte Punkt sollte etwa 3 Minuten dauern, jede Gruppe hat also etwa eine Minute, ihre Ergebnisse vorzustellen.

    Nun werden so viele Runden gespielt, bis entweder die Zeit abgelaufen ist, oder alle Ereignisse einmal gespielt wurden.

    40. Minute - Ergebnisvorstellung

    Im Anschluss an das Spiel hat jede Gruppe etwa 3 Minuten, um der dem gesamten Spieltisch ihr Finanzsystem zusammenfassend vorzustellen. Dabei soll an dieser Stelle konkret auf den Spielverlauf eingegangen werden. Anhand einzelner Ereignisse und Entscheidungen sollen die wichtigsten Eigenschaften der Finanzsysteme herausgearbeitet werden. Sollte es bei dieser Aufgabe zu Problemen kommen, können die Durchführenden auch ergänzen und durch gezielte Fragen oder Einwürfe das Thema wieder auf Kurs bringen.

    50. Minute - offene Diskussion

    In der an das Spiel angeschlossenen offenen Diskussion soll das Spiel reflektiert werden und eine gemeinsame Auswertung der Finanzsysteme stattfinden. Hierbei kann allgemein über das Spiel oder die Finanzsysteme diskutiert werden, es kann aber auch ganz konkret auf Ereignisse aus dem Spiel eingegangen werden. Wichtig ist, dass die Moderation die Lernziele im Auge behält und die Diskussion in entsprechende Richtungen lenkt.

    Da die Diskussion nicht nur die Spielinhalte wiederholen soll, sondern eher den Weg der Übertragung in echte Finanzsysteme gehen soll, sollte die Diskussion mit der Frage eröffnet werden: Welches Finanzsystem sollte nach Meinung der Teilnehmenden umgesetzt werden und weshalb genau dieses?

    Weiterhin sollte die Moderation versuchen, die Diskussion stets in eine konstruktive Richtung zu lenken, indem z.B. Schlüsselfragen gestellt werden können, wie:

    • Denkt ihr die finalen Punktzahlen reflektieren die Güte eines Finanzsystems?
    • Worin bestehen die Stärken und Schwächen der einzelnen Systeme?
    • Welche Ereignisse waren besonders realistisch?
    • Anhand welcher Ereignisse haben sich besondere Unterschiede zwischen den Finanzsystemen bemerkbar gemacht?
    • Wäre es vorstellbar, das aktuelle Finanzsystem durch eines der vorgestellten zu ersetzen?
    • Inwiefern können solche Systeme nebeneinander existieren? Wie unabhängig sind sie dann?
    • ...

    (60. Minute - Feedback)

    Falls zum Abschluss noch ein wenig Zeit ist, wäre es super, ein kleines Feedback der Teilnehmenden zu dem durchgeführten Baustein einzuholen. Gerade in Bezug auf die Wiederverwendbarkeit des Bausteins ist es wichtig, ein solches Feedback einzuplanen, um den Baustein stetig weiterentwickeln zu können.

    Eine interessante Idee für ein schnelles, aber effektives Feedback könnte z.B. der Drehkreis sein, der unter folgendem Link gefunden werden kann: (Feedbackmethoden).

    Hinweise und Anmerkungen.

    Von den VerfasserInnen.

    Der Baustein wurde im Rahmen einer Semesterarbeit im Sommersemester 2017 erstellt. Er beruht auf der bitteren Erkenntnis, dass das heutige Finanzsystem selbst mit einem Wirtschaftsstudium nicht vollständig begreiflich ist. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, das gegenwärtige Finanzsysteme einmal genauer zu beleuchten und mit Alternativen zu vergleichen. Um die Komplexität nicht ins Unermessliche laufen zu lassen wurde entschieden, das Thema als Spiel aufzubereiten.

    Zum Zeitmanagement

    Der Baustein ist recht flexibel gestaltbar. Die angegebenen Zeiten sind Empfehlungen der Baustein-Erstellenden. Sollte der Fokus der Durchführenden aber mehr auf Spielen und weniger auf Diskussion beruhen oder sollte weniger Zeit für die Bausteindurchführung zur Verfügung stehen, so kann z.B. der Spielanteil zeitlich erhöht werden im Austausch für die Abschlussdiskussion.

    Weiterhin könnte die Abschlussdiskussion ersetzt werden durch eine kurze, fest getimte Diskussion im Anschluss an jede Spielrunde. So könnte das Gespielte stets sofort reflektiert werden und Erkenntnisse müssen nicht bis zur Abschlussdiskussion im Gedächtnis bleiben. Jedoch erweist es sich besonders im Fall mehrerer Spieltische als positiv, nochmal alle Teilnehmenden zusammen kommen zu lassen, um gemeinsam Erfahrungen und Gedanken austauschen zu können.

    An zukünftig Durchführende.

    Das Spiel ist nicht geschlossen gestaltet. Es ist also relativ einfach, das Spiel zu erweitern. Künftige Gruppen haben prinzipiell zwei Möglichkeiten, das Spiel zu erweitern:

    • Es können weitere Finanzsysteme hinzugefügt werden. Dabei müssen zu allen Ereignissen neue Handlungsmöglichkeiten eingeführt werden, die spezifisch auf das Finanzsystem passen. Der Arbeitsaufwand dieser Möglichkeit ist also vermutlich recht hoch. Mögliche Finanzsysteme, um die das Spiel ergänzt werden könnte: Zeitgeld, Tauschwirtschaft, ...
    • Weiterhin können weitere Ereigniskarten hinzugefügt werden. In diesem Fall muss eine Ereigniskarte erstellt werden, sowie etwa drei Handlungskarten für jedes Finanzsystem. Die Handlungskarten sollten dabei spezifische Eigenschaften der Finanzsysteme abbilden. Für jede Handlung müssen zudem Punkte festgelegt werden. Zur Orientierung: Eine Punktvergabe von +/-20 Punkten sollte nicht überschritten werden.

    Wir hoffen, dass unser Spiel in kommenden Semestern noch weiterentwickelt wird und viele neue kreative Ereignisse und Handlungen hinzukommen!

    Literaturhinweise und Quellen.

    • Piktogramme für die Spielkarten: Unter Creative Commons CC0 veröffentlicht auf https://pixabay.com/
    • Alle anderen verwendeten Quellen finden sich in dem Dokument Alternative Finanzsysteme - Einführung.pdf