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Baukasten:Environmental rascism

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Wir alle leben mittlerweile in einer Welt, in der wir verschiedenste Produkte konsumieren, ohne uns oft bewusst zu sein, wie, wo und unter welchen Bedingungen diese produziert werden beziehungsweise was deren Herstellung für die nahegelegene Umwelt und die dort lebenden Menschen bedeutet. Was bedeutet der neue Standort einer umweltschädlichen Fabrik für die betroffene Region, die Arbeiter_innen und die dort lebende Bevölkerung? Wie wird die Verteilung solcher Umweltbelastungen auf verschiedene Orte geregelt? Wer nimmt Einfluss auf die Standortfrage, wer hat weniger Mitspracherechte? Welche Rolle spielen sozialdiskriminierende Faktoren für Ungleichverteilungen? Wer trägt Kosten und Gewinne? Und wen treffen umweltbedingte Krankheiten? In diesem Baustein zum Thema Environmental Racism wollen wir diesen Fragen anhand konkreter Fallbeispiele nachgehen und die Gruppenteilnehmer_innen zu Eigenreflektion anregen. Des Weiteren soll auch eine positive Gegenbewegung zum Umweltrassismus, die Umweltgerechtigkeit am Ende des Bausteins behandelt werden. Da speziell dieses Thema auch in Europa bzw. Deutschland einen großen Stellenwert hat und bereits aktiv von der Regierung bearbeitet wird.

Titel
Environmental Racism
Thema
Environmental Racism (deutsch: Umweltrassismus) beschreibt eine Form rassistischer Diskriminierung von Minderheiten, welche überdurchschnittlich oft von umweltrelevanten Entscheidungsprozessen ausgeschlossen und gleichzeitig stärker von Umweltverschmutzung und deren Folgeschäden betroffen sind.
Typ
Baustein
Schlagwörter
Drei, vier Schlagwörter, die den Baustein beschreiben.
Lernziele
Kurze Beschreibung der Lernziele. Bitte in der Regel eines oder mehrere der 12 Modullernzielen des Seminars benutzen.
Kompetenzen
Hier eine oder mehrere Kompetenzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung benennen, die erworben werden: 1) Kompetenz zur Persepektivübernahme; 2) Kompetenz zur Antizipation; 3) Kompetenz zur disziplinübergreifenden Erkenntnisgewinnung; 4) Kompetenz zum Umgang mit unvollständigen und überkomplexen Informationen; 5) Kompetenz zur Kooperation; 6) Kompetenzen zur Bewältigung individueller Entscheidungsdilemmata; 7) Kompetenz zur Partizipation; 8) Kompetenz zur Motivation; 9) Kompetenz zur Reflexion auf Leitbilder; 10) Kompetenz zum moralischen Handeln; 11) Kompetenz zum eigenständigen Handeln; 12) Kompetenz zur Unterstützung anderer
Lernformen
Hier eine oder zwei Lernformen/Lerntypen benennen: kreativ (Kreativität anregen, Eigenaktivität fordern, Ergebnismöglichkeit bieten); kooperativ (kooperieren, kommunizieren, Gemeinschaftsgefühl stärken, künstlerische Interessen); faktenorientiert (Fakten und Werte vermitteln, Probleme analysieren, technische Lösungen suchen); systemorientiert (Regeln und Verfahren anwenden, erprobte Wege gehen, systematisch vorgehen)
Methoden
Gruppenreflexion, Gruppenarbeit, Vortrag mit Video
Gruppengröße
mind. 4 Personen (richtet sich nach 2. Übung zu Unilever in Indien)
Dauer
60 Minuten (erweiterbar)
Material und Räume
Laptop, Beamer, Präsentation Der Punkt Download wird automatisch eingefügt und verweist immer auf die gleiche Seite.
Qualität
sehr gut
Semester
Sommersemester 2019


Vorbereitung

Vorbereitung für die Moderation

3 Stunden für Einlesen in die allgemeine Thematik, den Fall Unilever, die Umweltgerechtigkeits - Toolbox.

Vorbereitung für die Teilnehmenden

keine

Materialien und Räume

  • Informationszettel zu der Unilever-Übung ausdrucken (4 Rollen-Karten pro Gruppe); je nachdem wie viele Gruppen gebildet werden: Gesamtpersonenzahl/4 Rollen-Karten drucken,
  • Mobile Endgeräte für Recherche in Kleingruppen


Ablaufplan

Vorbereitung im Raum

Stuhlkreis für Rollenspiel-Diskussion (pro Gruppe 4 Stühle plus einen Stuhl für ein_e Moderator_in bereitstellen)

00. Minute - Begrüßung

Ziel

Bewusstsein schaffen Problematik von Environmental Racism verstehen/ kennen lernen

Inhalt

Vorstellen mit: Name und einer Antwort auf die Frage “Was ist für dich ein Umweltfaktor, der die Lebensqualität von Menschen beeinflusst?” Ergänzung durch Moderation, falls die folgenden Bereiche gar nicht genannt werden:

  • Fabriken, Kraftwerken, Tanklagern, Raffinerien in Gewerbegebieten
  • Bau neuer Autobahnen, Schnellstraßen, Bahnstrecken, Hochspannungstrassen
  • An- und Abflugschneisen von Flughäfen
  • Errichtung von Wohngebäuden auf Altlasten
  • Risikoanlagen, wie Sondermülldeponien, atomaren Zwischen- und Endlagern

Methode

Vorstellungsrunde (Popcorn mit Einstiegsfrage)

5. Minute - Einführung in Environmental Racism

Dauer

  • 3 Minuten: Video
  • 7 Minuten: Einführung in ER, inklusive Nova Scotia

Ziel

  • Veranschaulichung/Visualisierung der Problematik von Environmental Racism anhand eines konkreten Falles (der Region Nova Scotia in Kanada)
  • die Teilnehmenden sollen selbst reflektieren bzw. sich gewahrwerden, dass ER ein reales Problem ist

Inhalt

Einleitung über Environmental Racism. Video zum Überblick/Einstieg: https://www.youtube.com/watch?v=TrbeuJRPM0o Geschichtliche Entwicklung in den USA. Wer ist Betroffen: Schwarze Communities, Minderheiten, FirstNations, Beispiel Nova Scotia vorstellen (Enrich-Project, Fälle in Lincolnville etc.)

Methode

Präsentationsfolien: Kartenmaterial mit demografischer Verteilung in der Region Nova Scotia (Kanada)

15. Minute: Rollenspiel Unilever (Indien)

Dauer

2 Minuten: Einleitung 1,5 Minuten: Video 4 Minuten: Einarbeitung in Rolle 10 Minuten: Diskussion


~18 Minuten

Ziel

  • Hineinversetzen in die Interessen der verschiedenen Akteure, die an dem Prozess beteiligt sind, wo umweltschädliche Unternehmen “typischerweise” ihren neuen Standort eröffnen (Einfluss von Machtverhältnissen; Mitspracherechte; wirtschaftliche, regierungs-bezogene vs. gesellschaftliche Interessen; historisch gewachsene Ungerechtigkeiten, ...)
  • Gefühl bekommen für die Komplexität einer solchen Entscheidung und deren Auswirkungen

Inhalt

Ausgangslage des Falls Unilever in Kodaikanal: Unilever ist weltweit einer der größten Hersteller von Konsumgütern (Nahrungsmittel, Kosmetika, Körperpflege-, Haushaltsprodukte u.a.). Die Unilever-Fabrik produzierte von 1984 bis 2001 Quecksilber-Thermometer in Kodaikanal, einer Stadt im südindischen Hochland. Aufgrund unsachgemäßer Entsorgung gelangten giftige Quecksilber-Abfälle in den Boden und vergifteten die dortige Umwelt. Dies führte 2001 zur Schließung der Fabrik durch die Regierung. Aufgrund ungenügender Arbeitsschutzmaßnahmen bei der Verarbeitung von Quecksilber wurde die Gesundheit der Arbeiter und ihrer später geborenen Kinder massiv beeinträchtigt. Einige Fabrikarbeiter ereilte ein vorzeitiger Tod. Auch einige ihrer Kinder starben oder leiden an schlechter Gesundheit. Es dauerte 15 Jahre nach Schließung der Fabrik bis Unilever sich mit den damaligen Fabrik-Arbeitern einigte und sie entschädigte. Und dies auch nur aufgrund eines Protest-Videos, das viral ging und Druck erzeugte.

Dieses Video wollen wir euch nun ausschnitthaft zeigen: https://www.youtube.com/watch?v=nSal-ms0vcI (bis 1:30 zeigen) (2015)

Was nun folgt ist eine Talkshow zum Thema “Wie geht es weiter in Kodaikanal?”. Es gibt vier Gruppen: Vertreter_innen der Regierung, des Unternehmens Unilever, betroffene Anwohner_innen und eine Umweltorganisation. Die Teilnehmenden sollen sich gleichmäßig auf die Gruppen verteilen und bekommen anschließend eine Rollenkarte zugeteilt, auf der ihre Position näher beschrieben wird, die sie während der Talkshow einnehmen sollen.

Rollenverteilung: (siehe Rollenkarten)

  • Moderator_in (bei einer kleinen Gruppe können die Baustein-Durchführenden die Moderation übernehmen)
  • Regierung
  • Unternehmen Unilever
  • Anwohner_in (potentielle Arbeitskraft?)
  • Umweltorganisation

Methode

Rollenspiel mit unterschiedlichen Interessensgruppen Diskussion mit Moderation

33. Minute: Auflösung des Falls Unilever

Dauer

1 Minute: Fall-Ausgang darlegen 3 Minuten: Video 4 Minuten: Diskussion

Ziel

Gruppenreflexion über die vorherige Übung

Inhalt

Moderation erzählt wie der Fall wirklich ausging: Doch es ist auch 3 Jahre später noch Quecksilber im Boden. Die Reinigungsarbeiten wurden anscheinend nur unzureichend durchgeführt. Die Bevölkerung von Kodaikanal wirft dem Großkonzern nun Umwelt-Rassismus vor, denn in Europa wäre bei so einem Vorfall gewissenhafter vorgegangen.

Es entstand nochmals ein zweites Protestvideo: https://www.youtube.com/watch?v=UhZz5vKi01c (2018)

Anschließend: Gruppenreflektion Mögliche Diskussionsfragen:

  • Wie empfandet ihr eure bzw. die Rollen der anderen? Ist es euch leicht gefallen, sich in die jeweilige Perspektive hineinzuversetzen? Was war leicht, was schwer?
  • Wie seht ihr den Ausgang euer Diskussion im Vergleich zu der Realität? Seid ihr überrascht?

Methode

  • Baustein-Durchführende: Darlegung, wie der Fall Unilever in der Realität ausgegangen ist
  • Zeigen eines Protest-Rap-Videos
  • offene Gruppendiskussion (bei Durchführung mit mehreren Gruppen: gemeinsam im Plenum)

41. Minute: Umweltgerechtigkeit (im Bezug auf Deutschland)

Dauer

3 Minuten: Definition Umweltgerechtigkeit und Vorstellung der Toolbox 5 Minuten: Gruppenarbeit an Handlungsfeldern 4 Minuten: Gruppenvorträge (hier: 2 Gruppen a 2 Minuten) 3 Minuten: Vorstellung eines konkreten Falls (München, Kassel oder Marburg)

Ziel

  • Förderung lösungsorientierten Denkens
  • Bewusstseinsentwicklung für die Komplexität des Vorhabens, Umweltgerechtigkeit umzusetzen
  • Schulung der Fähigkeit, Einflussfaktoren und sich überschneidende Politikfelder zu erkennen

Inhalt

In der letzten Übung geht es um Umweltgerechtigkeit - das positive Pendant zu Environmental Racism:

  • Definition:

“Umweltgerechtigkeit zielt darauf ab, eine Konzentration gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen wie Lärm oder Schadstoffe in der Luft in sozial benachteiligten Quartieren und Wohnlagen zu vermeiden oder abzubauen sowie ihren Bewohnerinnen und Bewohnern den Zugang zu gesundheitsbezogenen Umweltressourcen – dazu gehören Grün- und Freiflächen – zu ermöglichen.” (Quelle: https://toolbox-umweltgerechtigkeit.de/begriff)

Hinweis: Nun konzentrieren wir uns auf Deutschland → historisch-gewachsenen und politischen Unterschied des Versuchs der Umsetzung von Umweltgerechtigkeit in den USA und Deutschland hinweisen.

Toolbox Umweltgerechtigkeit

  • Kurzbeschreibung des Projekts:

Drei Pilotkommunen – Kassel, Marburg und München – haben über zwei Jahre und wissenschaftlich begleitet durch das Deutsche Institut für Urbanistik im Forschungsvorhaben „Umsetzung einer integrierten Strategie zu Umweltgerechtigkeit – Pilotprojekt in deutschen Kommunen (Zuwender: Umweltbundesamt) erprobt, wie der vergleichsweise neue Ansatz Umweltgerechtigkeit in der kommunalen Praxis umgesetzt werden kann. Dabei wurde u.a. den Fragen nachgegangen, welche programmatischen, strategischen und instrumentellen Andockpunkte für den Ansatz Umweltgerechtigkeit bestehen, wie mehrfach belastete Teilräume identifiziert werden können, welche Maßnahmen geeignet sind, um mehr Umweltgerechtigkeit zu schaffen, und wie sich der Ansatz Umweltgerechtigkeit in Politik und Verwaltung verankern lässt. Insgesamt zeigt sich: Es gibt nicht „den einen Weg“, den Ansatz Umweltgerechtigkeit aufzugreifen und in der eigenen Stadt zu implementieren, vielmehr stehen die drei Städte für verschiedene „Modelle“ oder „Typen“ des Umgangs mit Umweltgerechtigkeit.

  • Vorstellung möglicher Handlungsfelder für mehr Umweltgerechtigkeit:

Lärmschutz, Luftreinhaltung, Umweltbildung, Freiraumentwicklung, Klimaschutz, Mobilität/ Verkehr, Gesundheitsförderung

Gruppenarbeit: Es sollen sich Kleingruppen à 2-3 Personen finden, die jeweils zu einem der Handlungsfelder auf der Website der Umweltgerechtigkeits-Toolbox recherchieren: https://toolbox-umweltgerechtigkeit.de/handlungsfelder Die Website bietet dabei schon viele Informationen, es kann aber natürlich darüber hinaus recherchiert werden. Der Fokus liegt dabei auf:

  • konkrete Konzepte zur Umsetzung von Umweltgerechtigkeit überlegen
  • Benennung der involvierten Akteure/ Institutionen in den Kommunen
  • Überschneidungen mit anderen Akteuren/ Institutionen und Handlungsfeldern aufzeigen

Für die Gruppenarbeitszeit sollten ca. 5 Minuten eingeplant werden. Die anschließende Präsentation vor der Gesamtgruppe sollte pro Vortrag 2 Minuten dauern.

Je nachdem wie lange der Baustein dauern soll könnte danach noch einer der drei Präzedenzfälle Marburg, Kassel oder München vorgestellt werden, wie dort Umweltgerechtigkeit umgesetzt werden sollte: https://toolbox-umweltgerechtigkeit.de/praxisbeispiele/landeshauptstadt-muenchen https://toolbox-umweltgerechtigkeit.de/praxisbeispiele/universitaetsstadt-marburg https://toolbox-umweltgerechtigkeit.de/praxisbeispiele/stadt-kassel

Methode

Eigenrecherche in Kleingruppen Kleingruppenpräsentation und anschließende Diskussion

56. Minute: Zusammenfassung/ Schluss

Dauer

4 Minuten: Abschlussgespräch und Reflektion

Ziele

Gruppenreflexion über den Baustein

Inhalt

Gründe für Environmental Racism:

  • Hinweis: Zusammenhänge für die Ursache/ Entstehung von Environmental Racism sind komplex (vielseitige Gründe für auftretende Verteilungsmuster von umweltschädlichen Industrien)
  • Einkommensunterschiede zwischen ethnischen Gruppen: relativ ärmere Minderheiten leben oft in stärker belasteten und daher billigeren Wohngegenden (Hinweis: deutlich komple

Mögliche Folgen von Environmental Racism:

  • Schadstoffe in Wasser, Luft und Boden
  • gesundheitliche Folgeschäden (starke körperliche, seelische Beeinträchtigung bis hin zu frühzeitigem Tod)

Krebs Erkrankungen der Atemwege usw.

  • weitere Abwertung der betroffenen Gegenden/ der dort lebenden Bevölkerung; verstärkte gesellschaftliche Segregation

Methode

  • Kurzzusammenfassung seitens der Durchführenden
  • Fragerunde: Was habt ihr mitgenommen? Was sind eurer Meinung nach die Gründe dafür, dass Environmental Racism entstehen kann? War euch der Sachverhalt neu? Was war vielleicht überraschend?

Hinweise und Anmerkungen

60 Minuten sind sehr knapp bemessen, vorallem sollte mehr Zeit für die Gruppendiskussionen eingebaut werden. Empfehlung für die Durchführungszeit mit diesem Aufbau: 90 Minuten

Materialien zur Durchführung

  • Präsentationsfolien
  • Rollenkarten ausdrucken (4 pro Gruppe)


Literaturhinweise und Quellen

Quellen

Allgemein: Environmental Racism

ER in den USA:

Fall: Nova Scotia

Fall: Unilever (Indien)

Umweltgerechtigkeit in Deutschland