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Baukasten:100 Punkte - Faktoren der Technikgestaltung

100 Punkte - Faktoren der Gestaltung von Technik

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Ingenieurinnen und Ingenieuren kommt eine zentrale Rolle in der Umsetzung von Anforderungen an eine konkrete Technik zu. Wer welche Anforderungen wie in den Konstruktionsprozess einbringt lässt sich jedoch nicht leicht ausmachen, zumal viele Anforderungen nie explizit benannt werden, sondern durch Gewohnheit, Tradition und kulturelle Gepflogenheiten indirekt Eingang in die technischen Artefakte und Systeme finden. Die Teilnehmenden dieses Bausteins erarbeiten sich verschiedene Faktoren, die aus ihrer Sicht Eingang in die Gestaltung von Technik finden sollten und gewichten diese durch die Verteilung von insgesamt 100 Punkten. Auf diese Weise werden implizite Anforderungen offen gelegt und den Teilnehmenden wird klar vor welchem Hintergrund sie persönlich Technik gestalten möchten.

Titel
100 Punkte - Faktoren der Gestaltung von Technik
Thema
Implizite und explizite Anforderungen an die Gestaltung von Technik benennen, reflektieren und bewerten.
Typ
Baustein, Grundbaustein im Berliner Seminar
Schlagwörter
Technikbewertung, Technikgestaltung, Anforderungen
Lernziele
Kurze Beschreibung der Lernziele. Bitte an den 12 Modullernzielen des Seminars orientieren.
Kompetenzen
Perspektivübernahme, Kooperation, Bewältigung individueller Entscheidungsdilemmata, Reflexion auf Leitbilder, moralisches Handeln
Lernformen
kreativ, kooperativ, systemorientiert
Methoden
Einzelreflexion, Gruppenreflexion
Gruppengröße
5-500
Dauer
15, 30, 45 Minuten
Material und Räume
Keine besonderen Anforderungen, Platz für Einzel- und Gruppenarbeit, evtl. Ausdruck der Aufgabenstellung.
Qualität
sehr gut. Grundbaustein in Berlin.
Semester
Sommersemester 2016. Vorversion 2011.


Vorbereitung

Vorbereitung für Moderation

30 Minuten

Vorbereitung für Teilnehmende

Keine

Ablaufplan

00. Minute - Aufgabenstellung und Einzelarbeit

Jede_r Teilnehmende_r bearbeitet schriftlich in Einzelarbeit zwei Aufgaben:

Liste die relevanten Anforderungen und Faktoren auf, die deiner Meinung nach, bei der Gestaltung von Technik berücksichtigt werden sollten.

Verteile anschließend insgesamt 100 Punkte auf die aufgelisteten Anforderungen/Faktoren. Du kannst hierbei unterschiedlich gewichten.

05. Minute - Gruppendiskussion

Die Teilnehmenden diskutieren in Kleingruppen ihre Anforderungen/Faktoren im Hinblick auf Gemeinsamkeiten, Unterschiede und ob die jeweiligen Anforderungen von Relevanz für die eigene Ingenieurarbeit sind. Wenn es innerhalb einer Gruppe Unterschiede gibt, handeln die Teilnehmenden miteinander aus, wie sie mit den Unterschieden umgehen möchten.

12. Minute - Impulsvortrag

Methode

Drei-minütiger Impulsvortrag mit Präsentationsfolien

Inhalt

Es gibt nicht nur eine Anforderung - Die meisten Teilnehmenden werden in Einzelarbeit mehr als eine Anforderung/Faktor aufgelistet haben. Kurze Unterscheidung zwischen impliziten und expliziten Anforderungen/Faktoren.

Die Anforderungen stehen oft zueinander in einem Zielkonflikt - Selbst in Kleingruppen wird deutlich, dass jede Person ganz eigene Anforderungen/Faktoren aufgelistet hat, die aus ihrer Sicht Beachtung finden sollten. Wie soll mit dem Ziel-/Wertkonflikt umgegangen werden?

Wer bringt zur Zeit Anforderungen ein und wer nicht? Welche Personen und Gruppen bringen derzeit ihre Anforderungen ganz explizit in die Technikgestaltung ein? Welche Werte sind dies und wie drückt sich dies in den technischen Produkten aus?

Wie ist das Verhältnis von den Menschen zueinander, die jeweils in Konstruktion, Produktion, Nutzung oder Entsorgung involviert sind? Wie zwischen Entscheidern, Nutzern und Betroffenen?

Wie lassen sich alle Betroffenen in die Technikgestaltung einbinden? - Es gibt zur Zeit ungezählte Menschen und Anspruchsgruppen, die mittel- und unmittelbar an einer Technik beteiligt sind, z.B. Ingenieur_innen und Produzent_innen. Sie können such aber auf Grund innerbetrieblicher Hierarchien und unternehmensinterner Wertepriorisierung nur begrenzt in die Gestaltung von Technik einbringen. Gleiches gilt in einem noch viel stärkeren Maße für die Menschen, die von einer Technik mittelbar und unmittelbar betroffenen sind, z.B. durch Rohstoffabbau und Entsorgung. Im Sinne einer umfassenden Demokratisierung sind daher Wege zu finden, wie all diese Menschen an den Entscheidungsfindungen beteiligt werden können und wie diese ablaufen sollten.

Hinweise und Anmerkungen.

Von den Verfasser_innen.

Dieser Baustein wird im Berliner Seminar als Pflichtbaustein in der Einstiegsitzung des Seminars durchgeführt. Nach einer kurzen Einstiegspräsentation, was Blue Engineering ist und wie der grobe Zeitplan aussieht, wird unmittelbar dieser Baustein durchgeführt.

Der Baustein wurde auch schon mehrfach auf Konferenzen oder in ähnlichen Situationen eingesetzt und hat sehr Auflockerung der Atmosphäre beigetragen.

Mögliche Erweiterung / Ergänzungen

In der aktuellen Fassung ist der Baustein auf 15 Minuten ausgelegt. Er bietet jedoch genug Potential um auf bis zu 45 Minuten oder länger ausgedehnt zu werden. Die Teilnehmenden versuchen ihre Anforderungen zu clustern und gemeinsam zu gewichten. Sie versuchen vermehrt implizite Anforderungen aufzudecken, denen sie sich bisher noch nicht bewusst sind. Sie gehen der Fragen nach, wie sie mit Zielkonflikten umgehen möchten und wie alle Beteiligten und Betroffenen einer Technik in ihre Gestaltung miteinbezogen werden können. Als weiterer Impulsvortrag bietet sich die VDI 3780 Technikbewertung an, da sie bereits viele wesentlichen Anforderungen/Faktoren der Technikgestaltung benennt.

Materialien zur Durchführung.

100 Punkte - Faktoren der Technikgestaltung - Aufgabenblatt

  1. Liste die relevanten Faktoren auf, die deiner Meinung nach, bei der Gestaltung von Technik berücksichtigt werden sollten.
  2. Verteile anschließend insgesamt 100 Punkte auf die aufgelisteten Faktoren. Du kannst hierbei die einzelnen Faktoren unterschiedlich gewichten.

Literaturhinweise und Quellen.

  • VDI 3780 Technikbewertung
  • Auswertung und erhobene Daten der einzelnen Semester des Berliner Seminars, auf Anfrage beim Berliner Seminar