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Baukasten:Alternative Unternehmen

Alternative Unternehmen

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Dieser Baustein bietet die Möglichkeit, bestehende soziale und gesellschaftliche Strukturen in Unternehmen zu hinterfragen und darauf aufbauend Alternativen zu suchen. Die Teilnehmer sammeln zunächst Problemfelder aus ihrer eigenen Berufserfahrung. Außerdem zeigt ein „Lego-Film“ durch einige Stereotypen unter Umständen weitere kritische Punkte in heutigen Unternehmen auf. Daraufhin werden die Teilnehmer aufgefordert, in Gruppen ein eigenes fiktives Unternehmen zu entwickeln. Jede Gruppe legt zunächst ein Hauptaugenmerk auf einen Aspekt wie zum Beispiel Bezahlung, Konkurrenz oder Familienfreundlichkeit. Anschließend gibt es inhaltliche Inputs von Unternehmen, die einen oder mehrere dieser Aspekte bereits umgesetzt haben. Möglichkeiten sind vielfältig, einige Beispiele sind Semco, Zanon (The Take) oder Mondragon. Zum Schluss darf eine Diskussion über die Zukunftsfähigkeit und Realisierbarkeit solcher Modelle dann auf keinen Fall fehlen.

Titel
Alternative Unternehmen
Thema
Diskussion bestehender Unternehmen(sstrukturen) und Erarbeitung neuer
Typ
Baustein
Schlagwörter
Unternehmen, Strukturen, Hierarchien, Alternativen, Arbeitsalltag
Lernziele
Die Teilnehmer sollen lernen, die bestehenden Strukturen in Unternehmen zu reflektieren, deren Probleme zu sehen, sowie selbst erarbeitet und bereits umgesetzte Alternativen zu diskutieren.
Kompetenzen
Kompetenz zur Persepektivübernahme, Kompetenz zur Partizipation, Kompetenz zur Reflexion auf Leitbilder
Lernformen
kreativ, kooperativ, faktenorientiert
Methoden
im ersten Teil Ideensammeln und Gruppenarbeit, im zweiten Teil inhaltlicher Input sowie Diskussion
Gruppengröße
der Baustein ist ideal für eine Gruppengröße von 20 bis 24 Teilnehmern. Mehr oder weniger sind aber genauso möglich, wobei man unter Umständen sinnvolle Änderungen vornehmen sollte.
Dauer
120 - 150 min
Material und Räume
Genug Platz für vier getrennte Gruppen bei der Gruppenarbeit, Beamer zum Zeigen des Videos, Moderationskarten und am besten eine Pinnwand samt Nadeln, Poster für die Gruppenarbeit, sinnvoll ist ebenfalls mehr als eine moderierende Person (mehr dazu im Punkt Voraussetzungen)
Qualität
gut
Semester
SoSe 11


Vorbereitung

Vorbereitung für die Moderation

Es ist sinnvoll, wenn es mehr als eine(n) Moderierende(n) gibt. Die Gruppenarbeit mit vielen Teilnehmenden ist dann einfacher zu leiten. Außerdem erfordert der inhaltliche Input doch etwas Vorbereitung, die sich ganz gut auf mehrere Personen aufteilen lässt. Die Verteilung der Inputs auf direkt Teilnehmende ist nicht empfehlenswert, da der erste Teil darauf aufbaut, dass diese Informationen den Teilnehmenden nicht unbedingt bekannt sind.

Vorbereitung für die Teilnehmenden

Ein Großteil der Teilnehmer sollte bereits etwas Arbeitserfahrung haben. Praktika, Ausbildung, Neben- oder Ferienjobs sind dafür völlig ausreichend. Hat jedoch noch keiner der Teilnehmer einen Betrieb von innen gesehen, ist der Ansatz des Bausteins schwer umzusetzen. Die Teilnehmenden sollten möglichst alle pünktlich sein, da gerade die ersten zwanzig Minuten wichtig sind und der Rest darauf aufbaut. Andernfalls sollte nach hinten genügend Zeit sein, um warten zu können, bis „genügend“ anwesend sind.


Materialien und Räume

Genug Platz für vier getrennte Gruppen bei der Gruppenarbeit, Beamer zum Zeigen des Videos, Moderationskarten und am besten eine Pinnwand samt Nadeln, Poster für die Gruppenarbeit, sinnvoll ist ebenfalls mehr als eine moderierende Person (mehr dazu im Punkt Voraussetzungen)

Ablaufplan.

Vorbereitung im Raum

Wissensspeicher aufbauen.

00. Minute - kurze Einleitung und Lego-Film Teil1.

Die Moderation begrüßt die Teilnehmenden und stellt den Ablauf des Seminartermins vor. Zu Beginn des Bausteins nennt eine/r der Moderierenden das Thema und leitet in den Lego-Film Teil 1 ein. Der erste Teil des Films zeigt die Entwicklung eines kleinen fiktiven Betriebs namens Zahn&Rad. Am Ende des Ausschnittes wird angedeutet, dass es mittlerweile viele innerbetriebliche Probleme gibt.

05. Ideensammlung der Teilnehmenden.

Daran anknüpfend werden die Teilnehmer aufgefordert, Probleme, die sie in heutigen Unternehmen(sstrukturen) sehen, auf Karten zu schreiben. Jeder Punkt soll dabei auf eine eigene Karte kommen. Einer der Moderierenden sollte unter Umständen darauf hinweisen, dass keine wirtschaftlichen Aspekte wie schlechte Konjunktur oder sinkende Nachfrage nach Zahnrädern gemeint sind. Möglich ist auch, die Aufgabe an einem konkreten Beispiel einer/s der Moderierenden anzuknüpfen, zum Beispiel „Ich habe mal bei XYZ ein Praktikum gemacht und eines Tages kam der Chef rein und sagte, dass alle ab sofort jeden Tag zwei Überstunden machen, wer nicht mitmache, könne seine Kündigung abholen kommen. “ Wenn die Teilnehmenden nach Einschätzung der Moderierenden genug Zeit hatten, ihre Gedanken aufzuschreiben (ca. 5 bis max. 10 min.), werden die Karten eingesammelt.

15. Minute - Lego-Film Teil 2.

Während nun der Lego-Film Teil 2 gezeigt wird, clustern die Moderierenden die eingesammelten Karten – sinnvollerweise so, dass es nicht vom Film ablenkt. (Prinzipiell kann dies auch mit den Teilnehmenden geschehen, kostet aber sehr viel Zeit – geschätzt ca. 20 Minuten extra.) Wichtig ist, dass sich deutlich einzelne Gruppen herausbilden und dass einzelne Karten möglichst nicht verdeckt werden, um eine ungefähre Gewichtung der jeweiligen Themenkomplexe zu erkennen. Die Cluster-Themen, die sich bisher als sinnvoll erwiesen haben, sind:

  • Hierarchie und Mitbestimmung
  • Bezahlung und Leiharbeit
  • Familie und Arbeitszeit
  • Motivation und Identifikation
  • Konkurrenz und Verschobene Verantwortung (Stichpunkte: Ellebogen, Konkurrenz zwischen Kollegen, schlecht verteilte Verantwortung (einige haben sehr viel, einige sehr wenige, ist diese richtig verteilt?))
  • Rest (Punkte, die nirgendwo zuzuordnen sind, landen am Besten verstreut irgendwo am Rand)

20. Minute - Cluster Ergebnisse auswerten.

Nach Ende des Films werden die geclusterten Karten der Gruppe vorgestellt. Sinnvoll ist, einzelne Karten zu nennen und dann zusammenfassend das Oberthema (vielleicht in einer anderen Farbe) anzupinnen. Abschließend können die Teilnehmenden noch gebeten werden, ein möglichst konkretes Beispiel aus eigener Erfahrung zu den Cluster-Themen mit der gesamten Gruppe zu teilen.

25. Minute - Gruppenarbeit Teil 1.

Ziel der anschließenden Gruppenarbeit ist es, Unternehmen zu entwickeln, die die oben angesprochenen Problemfelder lösen oder mindestens verbessern. Die Verbesserungsvorschläge sollten sich auf das Unternehmen konkret beziehen, können aber auch bestehende Randbedingungen ändern. Ein Dokument mit der Aufgabenstellung (und auch möglichen Diskussionsthemen) befindet sich im Anhang. Die Gruppenarbeit ist in zwei Phasen aufgeteilt. Im ersten Teil arbeitet jede Gruppe daran, speziell einen der oben genannten Cluster-Themen in „ihrer“ Firma zu verbessern. Die Themen können einfach zugeteilt werden oder von den Gruppen ohne viel Diskutieren ausgesucht werden. Die Moderierenden sollten darauf hinweisen, dass jeder der Teilnehmer nach den ersten zwanzig Minuten in der Lage sein sollte, die wichtigsten ausgearbeiteten Verbesserungsvorschläge wieder zu geben.

40. Minute - Gruppenarbeit Teil 2.

Im zweiten Teil der Gruppenarbeit wechselt ein Teil der Teilnehmer die Gruppen, ein anderer bleibt in der jeweils eigenen. Vorschläge zum Wechsel befinden sich ebenfalls bei den Aufgabenstellungen im Anhang. Ziel ist es dabei, dass jede neue Gruppe weiterhin einen Hauptschwerpunkt hat, jedoch neue Aspekte hinzukommen. Bei 4 Gruppen à 6 Teilnehmern bleiben zum Beispiel jeweils 3 in der Stammgruppe, während 3 neue Personen mit jeweils einem neuen Aspekt hinzukommen. Spätestens im zweiten Teil sollen die Gruppen dazu angeleitet werden, ergebnisorientiert zu arbeiten. Das heißt konkret, dass die Gruppen am Ende der Arbeitszeit etwas zu präsentieren haben. Poster, Mindmap,... , auf denen die groben Strukturen Ihres Unternehmens oder andere Ideen skizziert sind, reichen dabei jedoch völlig aus.

60. Minute - Ergebnispräsentation.

Im Anschluss an die Gruppenarbeit stellen die Gruppen „ihre“ Unternehmen dem gesamten Plenum vor. Zwischen den einzelnen Präsentationen sollte möglichst keine Diskussion aufkommen. Je nach Zeitrahmen und Verlauf der Gruppenarbeit sind dabei unterschiedliche Herangehensweisen sinnvoll:

  • Wenn während der Gruppenarbeit sehr ähnliche und wenig „sensationelle“ Ideen aufkommen, bringt eine anschließende Diskussion eventuell ebenfalls kaum neue Erkenntnisse. In diesem Fall kann den Präsentierenden ein bisschen mehr Zeit gegeben werden. Anschließend sollten aber trotzdem noch ein paar Leute die Möglichkeit haben, einen Kommentar zu geben – sofern sie wollen.
  • Falls während der Gruppenarbeit absehbar ist, dass es gute und auch diskutierbare Ansätze gibt, kann die Präsentation (nach Aufforderung durch die Moderierenden) jeweils auf maximal zwei Minuten beschränkt werden. Dann bleibt zum Abschluss noch Zeit für eine Diskussion à la „Wie realsitisch sind solche Ideen?“.

Falls es eine Pause geben soll, kann diese am besten an dieser Stelle eingeplant werden. Tip: 5 Minuten ansagen, dann werden es tatsächlich die geplanten 10.

75. Minute - Diskussion zu den selbst erarbeiteten Alternativen

„Wie realsitisch sind solche Ideen?“

85. Minute - Pause.

95. Minute - inhaltliche Inputs.

Nachdem die Teilnehmenden im ersten Teil des Bausteins aktiv gefordert waren, eigene Ideen zu entwickeln, sollen sie im zweiten Teil einen Einblick in bereits bestehende Unternehmen bekommen, die eine oder mehrere der oben aufgeführten Problemstellungen versuchen zu lösen. Die inhaltlichen Inputs werden von den Moderierenden gestaltet. Sinnvoll sind ca. 4 Beiträge von jeweils maximal sieben Minuten. (Die Beiträge lassen sich gut auf verschiedene Personen aufteilen.) Die Kurzpräsentationen sollten sich auf wesentliche Punkte beschränken und hauptsächlich einen Eindruck über bereits Umgesetztes geben. Aus diesem Grund macht es Sinn, wenn jedes der vorgestellten Unternehmen speziell eines der Cluster-Themen fokussiert. Mögliche Unternehmen samt kurzer Information und Literaturverweisen befinden sich im Anhang bei den Aufgabenstellungen. Während der Kurzpräsentationen sollten nur inhaltliche Fragen geklärt werden.

130. Minute - Diskussoin zur Zukunftsfähigkeit solcher Ideen.

Im Anschluss ist dann Zeit und Raum, um auf kritische Punkte im Rahmen der Diskussion näher einzugehen. Um jedoch nicht nur das Hier und Heute zu beleuchten, soll die Diskussion auch die Frage aufwerfen, inwieweit solche Unternehmensmodelle zukunftsfähig und vor allen Dingen flächendeckend durchsetzbar sind (mehr dazu im Anhang). Sollte es gewünscht sein und am Ende noch ein wenig Zeit geben, ist ein Feedback bezüglich des Bausteins wünschenswert. Neben der generellen Frage „Was hat euch gefallen? Was hat euch gestört?“ kann auch die Frage „(Inwieweit) hat sich euer Blick auf die Thematik geändert?“ gestellt werden.

150. Minute - Ende.

Hinweise und Anmerkungen.

Von den Verfasser_innen.

Der Baustein wurde das erste Mal von einer Gruppe von sechs Personen ausgearbeitet und von fünf Personen durchgeführt. So viele Moderierende sind natürlich nicht immer möglich. Für eine Durchführung im Rahmen eines regelmäßigen Seminars, empfiehlt es sich, einen oder zwei Studierende/Seminarteilnehmer zur Durchführung mit heranzuziehen. Bei der ersten Durchführung wurden die Unternehmen BASF (Familie und Arbeitszeit), Mondragon (Motivation und Identifikation), Semco (Bezahlung und Leiharbeit, sowie Konkurrenz und verschobene Verantowortung) und Zanon (Hierarchie und Mitbestimmung) präsentiert. Am meisten Kritik wurde dabei an BASF laut (Punkt: Inwieweit hilft das wirklich und inwieweit ist es nur eine Schönmalerei und Werbeaktion?). Ansonsten passte die Aufteilung auf die Punkte aber ganz gut. Und auch aus einem nicht perfekten Beispiel kann man lernen.

Gekürzte Variante.

Falls der Baustein in zwei Stunden durchgeführt werden soll, ist es sinnvoll die erste Diskussion (zu den selbst erarbeiteten Alternativen) wegzulassen, auch die Pause kann dann entfallen. Die restlichen zehn Minuten können auf den Rest verteilt werden.

Materialien zur Durchführung.

Version

Ursprüngliche Version

Zu Beginn oder während der Gruppenarbeit sollten die Gruppen auch dazu ermutigt werden, ruhig mal etwas „abgehobenere“, „träumerische“, unrealistische Ideen einzubringen. Das kann einerseits helfen, interessante Diskussionen anzuregen, andererseits aber auch verhindern, die bestehende Probleme allein mit bestehenden Lösungen zu lösen. Es ist wichtig, die Gruppen zu ermutigen, Ihre Ideen festzuhalten und zu skizzieren. Wird dies nicht getan, läuft die Gruppenarbeit Gefahr, ein reiner Meinungsaustausch zu sein. Der Anstoß, konkrete Punkte festzuhalten, kann am Anfang etwas schwerer fallen. Es hilft jedoch, strukturierter zu arbeiten und dabei nicht die ganze Zeit auf einer Stelle zu stehen. Außerdem sollten die Gruppen aktiv betreut werden. Gibt es nicht zu jeder Gruppe eine/n Moderierende/n, sollten diese regelmäßig zwischen den Gruppen wechseln. Gerade am Anfang können so Unklarheiten bezüglich der Aufgabenstellung geklärt werden. Die Moderierenden sollten zwar nicht Redeführer sein oder alles vorwegnehmen, aber der ein oder andere Hinweis auch während der Arbeitsphase (besonders im Sinne der davor genannten Punkte), kann ebenfalls nicht schaden.


Aktuelle Version

Kommentar.

Literaturhinweise und Quellen.

Semco:

Mondragon:

Zanon (The Take):

BASF (Informationen besonders kritisch Hinterfragen!):

Strike Bike: