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Baukasten:Bisphenol A - Nützlich, Schädlich, Wirtschaftlich?

Bisphenol A - Nützlich, Schädlich, Wirtschaftlich?

BisphenolA.jpg


Bisphenol A ist einer der zentralen Grundstoffe in der Kunststoffherstellung und kaum aus heutigen Fertigungsverfahren wegzudenken. Ursprünglich wurde es als Östrogen-Ersatz entwickelt, zeigte jedoch nicht die gewünschte Wirkung. In der Vergangenheit gab es immer wieder Argumente, Studien und Beschlüsse sowohl für als auch gegen die hormonelle Wirkung und somit die sichere Verwendung von Bisphenol A. Die Teilnehmenden versetzen sich in die Rolle von Vertretern der Industrie, Wissenschaft und Bevölkerung und erarbeiten sich so detailliert die kontroversen Sichtweisen. Anschließend diskutieren sie in einer moderierten, spielerischen Debatte mögliche Argumente. Es werden ebenfalls Ereigniskarten gespielt, die den Verlauf der Debatte auflockern und so manch ungeahnte Wendung herbeiführen.

Titel
Bisphenol A - Nützlich, Schädlich, Wirtschaftlich?
Thema
Die Auswirkungen von Plastik werden am Beispiel von Bisphenol A in Bezug auf Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung erarbeitet und in einer Talkshow diskutiert.
Typ
Baustein
Schlagwörter
Kunststoff, Industrie, Schadstoffe, Hormone, Bisphenol A
Lernziele
Die Teilnehmenden lernen, zu debattieren und werden so mit den verschiedenen Standpunkten konfrontiert. Ziel ist es auch, eine eigene Meinung auf Grundlage der Argumente zu formen. Außerdem wird ein Verständnis des Themenkomplexes Plastik gefördert.
Kompetenzen
Perspektivübernahme, Lösung individueller Entscheidungsdilemma, Partizipation, eigenständiges Handeln
Lernformen
kreativ, kooperativ
Methoden
Vortrag, Debatte, Blitzlicht, Mindmap
Gruppengröße
10-30
Dauer
75, 90 min
Material und Räume
Ausdrucke, Tafel, Beamer, Computer
Qualität
gut
Semester
Wintersemester 2011/2012


Vorbereitung

Vorbereitung für die Moderation

Einarbeitung in den Baustein

Vorbereitung für die Teilnehmenden

Von den Teilnehmenden wird kein spezielles Vorwissen verlangt. Es ist jedoch von Vorteil, ein allgemeines Verständnis von Plastik oder sogar Bispheonal A zu haben, da nicht das ganze Spektrum an Informationen in den Informationszetteln aufgeführt werden kann. Dies Durchführung ist jedoch auch mit wenig Vorwissen möglich. Die Teilnehmenden sollten generell in der Lage sein, Argumentationsstrukturen auszuarbeiten und in der Debatte zu verteidigen, auch wenn sie nicht ihren persönlichen entsprechen.


Materialien und Räume

5 Tische + Stühle, Ausdrucke (Anhang), Whiteboard oder Tafel, Beamer, Computer

Ablaufplan.

Vorbereitung im Raum

Wissensspeicher aufbauen.

00. Minute - Warm-Up.

Eine sanfte Einführung in das Themengebiet erfolgt mittels Soziometrie. Soziometrie hat dabei das Ziel, Zugehörigkeiten, Postionen oder Einschätzungen mittels einer Positionierung im Raum darzustellen. In den ersten Folien der Impulspräsentation sind dazu zwei konkrete Fragen formuliert: „Wie hoch ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten in Deutschland im Jahr?“ und „Wie lang ist die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Plastiktüte in Deutschland?“. Die Teilnehmenden stellen sich entlang einer gedachten Linie entsprechend ihrer Einschätzung auf. Definiert werden lediglich zwei gegenüberliegende Punkte im Raum als „maximal“ und „minimal“. Die Teilnehmenden sollen so interaktiv durch Absprache herausfinden, wo sie mit ihrer Einschätzung stehen müssten. Es folgt jeweils die Auflösung, nachdem sich alle Teilnehmen positioniert haben. Im Vorhinein können dazu die jeweiligen Schätzungen notiert werden. Besser ist es jedoch, exemplarisch 2-3 (Minimium, Mitte, Maximum) Teilnehmende befragt werden, warum sie sich genau an jene Stelle gestellt haben und wie hoch ihre Schätzung liegt.

04. Minute - Gruppeneinteilung.

Nach der zweiten Frage, während die TN noch auf ihren Plätzen stehen, werden sie den jeweiligen Gruppen zugeordnet. „G“ steht für Gremium, „B“ für Bürgerinitiative, „I“ für Industrie und „W“ für Wissenschaftler. Die Einteilung kann dabei völlig willkürlich erfolgen oder z.B. nach Reihenfolge ihrer Aufstellung (TN mit minimalem Verbrauch zu Industrielle, TN mit max. Verbrauch Volksvertreter, etc.). Am besten werden dafür vorher kleine Kärtchen vorbereitet, auf denen die Buchstaben B, I, W und G stehen, die den Teilnehmern ausgehändigt werden. Die Einteilung in die Gruppen sollte möglichst gleichmäßig geschehen, wobei das Gremium ein paar Mitglieder mehr haben darf.

05. Minute - Impulspräsentation.

Dies sind die Hintergrundinformationen zur Bedeutung von Kunststoffen allgemein. Es werden die Rolle im Alltag, Zahlen und Fakten erläutert und kurze Videoausschnitte gezeigt, um die Teilnehmenden für die Wichtigkeit des Themas zu sensibilisieren. In der zweiten Hälfte des Vortrags wird speziell auf Bisphenol A eingegangen. Als besonders bedeutsam werden die zentrale Rolle in der chemischen und Verpackungsindustrie und die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen für den Menschen herausgestellt, ohne jedoch das Spiel dadurch wertend zu beeinflussen.

15. Minute - Vortrag Spielkonzept.

Dieser Vortrag beinhaltet die Erklärung der Spielregeln. Die im Anhang angefügte Präsentation dient ab Folie 27 der schrittweisen Erläuterung des Spielablaufes.

25. Minute - Gruppeneinarbeitungs-/Vorbereitungsphase.

Auf den Tischen für die Gruppen werden ausgeteilt: • Informationszettel mit Fact-sheet • Jeweils eine rote und eine grüne Ereigniskarte, die von einem Gruppenmitglied gezogen wird In der Vorbereitungsphase treffen sich die Mitglieder der Gruppen an den jeweiligen Tischen (Zuweisen oder Aufsteller vorbereiten). Jetzt haben sie 15min Zeit, sich gemeinsam ihre Argumentation zu erarbeiten (Info-Zettel), eine Strategie für die Debatte festzulegen und einen Vertreter zu wählen, der die Gruppe in der Debatte repräsentieren wird. Auf diesem lastet ergo die Verantwortung, die Ziele der Gruppe gut argumentiert gegen die anderen Gruppenvertreter durchzusetzen. Ebenfalls sollte die Gruppe entscheiden, wann welche Ereigniskarte gespielt wird. Die roten Ereigniskarten werden grundsätzlich während der Debatte von den verbleibenden, nicht debattierenden Gruppenmitgliedern gespielt. Es steht ihnen frei, ob sie die Karte für das eigene Team oder gegen ein anderes ausspielen. Rote Karten erhalten sofortige Gültigkeit sobald sie gespielt wurden. Die grünen Karten können erst nach der Debatte gespielt werden. Grüne Karten, die einen Entscheidungspunkt (EP) vergeben oder abziehen, werden erst nach Bekanntgabe der Gremiumsentscheidung gespielt und verändern mitunter maßgeblich das Ergebnis. Das Gremium muss keinen eigenen Standpunkt ausarbeiten. Auf ihm lastet am Ende die Entscheidung über die Glaubwürdigkeit der diskutierenden VertreterInnen. Die Gremiumsmitglieder sollten sich schon im Vorfeld der Diskussion Gedanken machen (und eventuelle festlegen), wie sie später zu einer Entscheidung gelangen möchten.


40. Minute - Spiel.

Das Spiel besteht im Wesentlichen aus einer zu moderierenden Debatte und den Ereigniskarten, die zu bestimmten Zeitpunkten gespielt werden. Anschließend folgt die Festlegung des Gewinners durch die Gremienentscheidung.

Du bist der oder die Moderierende und solltest eine Eingangsmoderation machen, wie z.B.: „Bisphenol A hat in den letzten Jahren für immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien gesorgt. Nun kam es gar zum Verbot in einigen Ländern. Wie stehen die Volksvertreter der Sache gegenüber?“ und gibst damit das Wort an eine oder einen der Debattierenden. Das Ergebnis und der Unterhaltungswert der Debatte sind maßgeblich von einer guten Moderation abhängig. Vermeide allzu unübersichtliche, hitzige Streitereien durch geschickte Intervention.

Während der Debatte können und sollten sich die nicht debattierenden Gruppenmitglieder dafür entscheiden, wann und für bzw. gegen wen sie die Ereigniskarten spielen. Diese geben sie dann dir, du unterbrichst die Debatte so bald wie möglich, liest die Karte laut vor und gibst, wenn nötig eine kurze direkte Anweisung was zu tun ist. Anschließend geht die Debatte weiter.

Beispiel: Eine Gruppe spielt die Karte „Nach der Einnahme von Marihuana ist euer Vertreter nicht mehr verhandlungsfähig. Rede 2 min. über das Wetter.“ gegen die Industrie. Du weißt den Vertreter der Industrie an, nun 2 Minuten lang das Wetter zu kommentieren und moderierst sofort das weitere inhaltliche Gespräch für die beiden verbleibenden Diskutierenden. Am besten du merkst dir, bei welchem Punkt du die Debatte unterbrochen hast, so dass sie direkt dort weitergeführt werden kann.

60. Minute - Gremiumsentscheidung.

Nach Ablauf der Zeit oder an einem geeigneten Punkt (z.B. wenn alle Argumente diskutiert wurden) moderierst du das Spiel ab. Nun werden die grünen Karten gespielt. Sollte eine dieser Entscheidungspunkte (EP) vergeben oder abziehen, so wird sie erst nach der Entscheidungsverkündung ausgespielt. Nun übergibst du an einen Sprecher des Gremiums. Weise diesen an, kurz vorzustellen, nach welcher Methode eine Entscheidung gefunden wurde. Besonders interessant ist es an dieser Stelle, wenn im Blitzlicht ganz kurz jedes Gremiumsmitglied auf seine persönlichen Eindrücke eingeht und ein persönliches Ranking für jede Partei abgibt. Nun werden die Punkte zusammengezählt, sofern noch nicht geschehen, und der Gremiumssprecher verkündet das Ergebnis. Die einzige Chance dieses Ergebnis nun noch zu beeinflussen ist das Spielen der verbleibenden Grünen Karten, sofern diese Entscheidungspunkte (EP) vergeben oder abziehen.

70. Minute - Zusammenfassung.

Lasse einen offenen Stuhlkreis bilden und positioniere dich gut sichtbar für alle mit dem Whiteboard. In loser Reihenfolge forderst du die Teilnehmer nun auf, inhaltliche Punkte aufzuzählen, die ihnen besonders wichtig waren. Verkürze diese auf prägnante Schlagworte und entwickle so eine Mindmap zu Bisphenol A.

80. Minute - Abschlussfeedback

Mit oder gegen den Uhrzeigersinn folgt nun im Blitzlicht das Feedback zur Durchführung des Modulbausteins. Was hat euch besonders gefallen? Was ging gar nicht? Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf? Bitte vervollständigt die vorliegende Beschreibung mithilfe eurer Erkenntnisse.

90. Minute - Ende.

Hinweise und Anmerkungen.

Von den Verfasser_innen.

In diesem Modul ist viel Engagement der Teilnehmenden gefragt. Ohne dieses wird die Debatte, das Hauptelement des Bausteins, eher langweilig werden. Versucht den Zeitplan zu befolgen, aber gebt genügend Zeit, die Informationen zu verarbeiten und Argumente diskutieren zu lassen. Eine gute Betreuung der Gruppen während der Vorbereitungsphase hat sich als sehr hilfreich erwiesen. Hier ist es von Vorteil, wenigstens einen zweiten Durchführenden zu haben, der sich gut mit dem Thema auskennt, so könnt ihr zu zweit mit Tipps und Erklärungen zur Seite stehen. Wichtig ist eine gute Moderation im Spielverlauf. Achte darauf, dass jeder Vertreter zu Wort kommt und dass auf sachlicher Ebene diskutiert wird. Unterbinde lange „Monologe“ und Pausen. Ebenfalls bist du für den roten Faden verantwortlich. Behalte im die Argumentationsstruktur im Auge. Hierzu ist es hilfreich, alle 3 Informationsblätter zu kennen, um zu wissen, welche Partei evtl. entkräftende Argumente anbringen kann. Hierzu ist es hilfreich, sich im Vorfeld Moderationsfragen zu überlegen.

Grundbaustein in Berlin

Dieser Baustein wird in einer aktualisierten Variante auch als Grundbaustein in Berlin durchgeführt.

Materialien zur Durchführung.

Ausdrucke, Tafel, Beamer, Computer

Literaturhinweise und Quellen.