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Baukasten:Gender, Diversity und Technik - Grundbaustein in Berlin

Gender, Diversity und Technik - Grundbaustein in Berlin

Gender diversity und technik.png


Der Baustein führt die Teilnehmenden zum einen in die Gender- und Diversitythematik allgemein und hinsichtlich der Natur- und Technikwissenschaften ein. Zum anderen regt er zur kritischen Reflexion der eigenen Person und des eigenen Verhaltens sowie der gesellschaftlichen Ungleichverhältnisse an. Der Wissensspeicher bietet einen grundlegenden Einstieg und Informationen in das Thema Gender & Technik. Ein Kurzvortrag/Kleingruppenarbeit zeigt auf, wie Perspektiven der Gender und Diversity Studies in Technik- und Naturwissenschaften integriert werden können bzw. wie sie mit diesen zusammenhängen. Eine Anti-Diskriminierungsübung sensibilisiert für die gesellschaftliche Ungleichverhältnisse und (De-)Priviligierungen.

Titel
Gender, Diversity und Technik - Grundbaustein in Berlin
Thema
Gender, Diversity und Technik - Formen der Diskriminierung werden anhand einer Aufstellung aufgezeigt und diskutiert
Typ
Benennung des Typs: Kombiwie, Baustein, Wissensspeicher, E-learning
Schlagwörter
Gender, Diversity, Technik, Diskriminierung
Lernziele
Kurze Beschreibung der Lernziele. Bitte analog zu den Lernzielen des Seminars formulieren, so dass diese an die spezifischen Inhalte eures Bausteins angepasst sind.
Kompetenzen
Persepektivübernahme, Antizipation, disziplinübergreifende Erkenntnisgewinnung, Umgang mit unvollständigen und überkomplexen Informationen, Reflexion auf Leitbilder, Unterstützung anderer
Lernformen
kreativ, faktenorientiert
Methoden
Entscheidungsfragen, interaktive Übung “Ein Schritt nach vorn” zur Sensibilisierung gesellschaftlicher Ungleichverhältnisse und Diskriminierungen
Gruppengröße
12-25
Dauer
120 Min
Material und Räume
Identitätskärtchen, Faktenkarten
Qualität
sehr gut. Grundbaustein in Berlin.
Semester
Sommersemester 2016


Vorbereitung

Vorbereitung für die Moderation

Die Vorbereitungszeit hängt vom Vorwissen zum Thema Gender und Diversity der Durchführenden ab. Ohne Vorwissen beträgt die Vorbereitungszeit ca. 5 h - vor allem die Plakate des Wissensspeichers, Grundlagenliteratur und die Anleitung zur Methode “Ein Schritt nach vorn” sollten sorgfältig gelesen werden! Darüber hinaus sollte ca. 1h für die Vorbereitung des Aufbaus des Wissensspeichers (s. gesonderte Anleitung) eingeplant werden. Es ist auch sinnvoll, Strategien zu haben, um knifflige Situationen lösen zu können, für den Fall, dass einige Personen sich durch Andere verletzt fühlen und es in der Folge zu Auseinandersetzungen kommt. Für Nachfragen und vor allem zur Begleitung der Abschlussdiskussion ist eine Person einzuladen, die sich in der Gender-Thematik auskennt. An der TU Berlin sind dafür die Absolvent_innen des Gender Pro Mint-Programms, das ZIFG, die Frauenbeauftrage sowie Personen aus dem Frauen*referat oder dem Queerreferat des AStA der TU Berlin ansprechbar. Die Einladung erfolgt frühzeitig durch die Seminardurchführenden, möglichst schon vor Semesterbeginn. Darüber hinaus sind die Lektüre des “Respect Guide - Leitfaden für einen respektvollen Umgang miteinander “ sowie des Factsheets “Moderation und Redeverhalten” (s. Anhang) für die Durchführung sehr wichtig. Sie bereiten auf eine geeignete Umgangsweise mit dieser sensiblen Thematik vor und helfen die Moderation der gemeinsamen Auswertung für alle Beteiligten angenehm zu gestalten. Das E-Learning Gender zur Vorbereitung der Teilnehmenden wird eine Woche vor der Durchführung freigeschalten.

Vorbereitung für die Teilnehmenden

Die Teilnehmenden nehmen zur Vorbereitung an dem E-Learning Gender Teil. Ansonsten ist kein Vorwissen nötig.

Als Nachbereitung werden die Artikel und Information aus dem Anhang “Nachbereitung” in der wöchentlichen Seminarrundmail an alle Teilnehmenden verschickt.

Materialien und Räume

Identitätskärtchen, Faktenkarten, Wände und Tische für den Aufbau des Wissensspeichers, Beamer für die Gender Pro Mint Vorstellung. Ein möglichst offener, weiter Raum mit Möglichkeit für einen Stuhlkreis.

Ablaufplan.

Vorbereitung im Raum

Aufbau des Wissensspeichers (s. Aufbauplan Wissensspeicher Genderbewusstsein). Für die Durchführung im Blue Engineering Seminar in Berlin steht für jeden Kurs ein Satz Plakate sowie eine Kiste mit den ausgedruckten Broschüren/Infomaterial bereit. Die Materialien können vor dem Seminar im Büro abgeholt werden.

00. Minute - Begrüßung und Ankündigungen.

Die Moderation begrüßt die Teilnehmenden, macht die wöchentlichen organisatorischen Ankündigungen und stellt den Ablauf des Seminartermins vor.

05. Minute - Bausteindurchführung - kurzer Baustein inkl. Feedback

Bei der Durchführung von Bausteinen durch die Teilnehmenden, werden in der Regel ein kurzer und ein langer Baustein durchgeführt. Der Diversity, Gender und Technik Baustein ist ein langer Baustein, so dass vorher ein kurzer Baustein von einer anderen Gruppe durchgeführt wird. Für diesen stehen 60 Minuten plus 10 Minuten Feedback zur Verfügung. Der Blaue Faden wird am Ende des zweiten Bausteins gemeinsam von einem_r Tutor_in durchgeführt.

65. Minute - Pause

Vor der Pause wird der Baustein im Anschluss, “Gender, Diversity und Technik”, angekündigt. Die Teilnehmenden werden aufgefordert bzw. ermuntert, sich den dazugehörigen Wissensspeicher bereits schon in der Pause anzusehen. Die Teilnehmenden sind eingeladen sich bereits während der Pause den Wissenspeicher zu Gender, Diversity und Technik anzuschauen.

80. Minute - Beginn Gender, Diversity & Technik Baustein - Ja-Nein-Fragen

Nach einer kurzen Vorstellung des Baustein-Ablaufs verteilen sich alle Teilnehmenden frei im Raum. Eine Seite des Raumes wird als Ja-Seite benannt, die gegenüberliegende Seite wird als Nein-Seite benannt. Die Durchführenden lesen nacheinander die unten stehenden Ja-Nein-Fragen/Aussagen vor. Die Teilnehmenden positionieren sich entsprechend nach Zustimmung oder Ablehnung an einem von beiden Enden des Raumes. Auch wenn es den Teilnehmenden schwierig erscheint, eine Wahl zu treffen, ist eine eindeutige Positionierung Ziel des Baustein, um ein klareres Meinungsbild zu forcieren. Die Durchführenden prägen sich die Verteilung ein, um diese bei der Abschlussdiskussion gegebenenfalls zur Sprache zu bringen. Vorerst bleibt die Verteilung jedoch unkommentiert.

  1. Ich glaube, dass das Thema Gender in meinem Leben eine Rolle spielt.
  2. Ich finde es gut, wenn Technik mit Blick auf ein bestimmtes Geschlecht entwickelt wird.
  3. Ich glaube, dass Männer von Natur aus ein besseres Verständnis für Technik haben und Frauen dafür ein besseres Einfühlungsvermögen besitzen.
  4. Ich glaube, dass Technik so gestaltet werden kann, dass sie alle Geschlechter gleichermaßen anspricht.
  5. Ich glaube, dass an der TU Berlin weitgehend Chancengleichheit herrscht und alle Studierende die gleichen Chancen haben. Die Hautfarbe, sozio-ökonomische Herkunft (Akademische Eltern / Arbeiter-Eltern etc.), körperliche Beeinträchtigung (z.B. Rollstuhl), Geschlechtsidentität, kinderlos, (allein)erziehend, spielen keine Rolle.
  6. Ich finde, dass in Deutschland Geschlechtergerechtigkeit herrscht.


90. Minute - Faktenkarten

Die Durchführenden teilen allen Teilnehmenden eine Faktenkarte aus. Alle stellen sich in einem großen Kreis auf und lesen nacheinander kommentarlos ihre Faktenkarte vor. Zwischen den einzelnen Faktenkarten sollte Zeit zum persönlichen Nachdenken sein. Um die geballte Faktendarstellung und das Aufzeigen der Vielseitigkeit der Genderdebatte nicht zu stören, entsteht hierbei kein Raum zur Diskussion und die Karten werden nicht zusätzlich kommentiert, sondern nur kurz vorgelesen.

95. Minute - Wissensspeicher Genderbewusstsein

Der Wissensspeicher wird kurz eingeführt. Für den Aufbau existiert eine gesonderte Anleitung. Die Teilnehmenden erhalten Zeit, sich den Wissenspeicher ansehen und damit an ihre Besichtigung während der Pause anzuknüpfen. Der Wissensspeicher informiert anhand von Plakaten, Filmen und Broschüren über grundlegende Begriffe der Genderthematik sowie über folgende Themen: Gender und Werbung, Gender und Religion, Gender und Technik, Gendermarketing.

80. Minute - Reflexion des Gruppenprozesses.

Die Teilnehmenden beginnen nach der Pause wieder in ihren Kleingruppen.

Die Teilnehmenden erhalten jeweils eine Moderationskarte. Auf eine Seite der Karte schreibt jede Person für sich, was ihr am Gruppenprozess gefallen hat und was ihr am Ergebnis der Gruppenarbeit gefällt. Auf die andere Seite schriebt jede Person, was ihr am Gruppenprozess nicht gefallen hat und was sie am Ergebnis der Gruppenarbeit stört. Die Teilnehmenden tauschen sich in zwei Blitzlichtrunden in ihren Kleingruppen darüber aus, was ihnen am erstens am Prozess/Ergebnis gefallen hat und zweitens was ihnen nicht gefallen hat. Weitere Fragen können sein: Konnte sich jedes Gruppenmitglied zu seiner_ihrer Zufriedenheit einbringen? Was wäre nötig gewesen, um sich einzubringen? Anschließend tasuchen sie sich darüber aus, was sie bei zukünftigen Gruppenarbeiten gleich bzw. anders machen möchten.

110. Minute - Vorstellung des GENDER PRO MINT Programm

Die Durchführenden stellen in Kürze das Studienprogramm GENDER PRO MINT am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) an der TU Berlin vor: Das Studienprogramm GENDER PRO MINT bietet die Möglichkeit, sich mit Gender- und Diversityfragestellungen zu zentralen ingenieur- und naturwissenschaftlichen Themen zu befassen. Es ist ein strukturiertes, studienbegleitendes Programm im Umfang von 30 Leistungspunkten. Für die Vorstellung des Programms existiert ein ausführlicheres Redeskript.

115. Minute - Ein Schritt nach vorn - Reflexion über Diskriminierung

Diese Übung ist der Broschüre i-Päd (Intersektionale Pädagogik) entnommen und wurde für diesen Blue Engineering Baustein entsprechend abgewandelt (siehe Literaturhinweise). Lernziel:

  • Einfühlung in die realen Lebensbedingungen gesellschaftlicher Minderheiten / Gruppen
  • Förderung von Empathie mit Menschen, die nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören
  • Reflexion der eigenen Position in der Gesellschaft
  • Reflexion und Verstehen gesellschaftlicher Verhältnisse

Methode Diese Anleitung befindet sich nochmals gesondert im Unterordner “Schritt noch vorn” siehe Anhang Es gibt verschiedenen Identitätskärtchen, die in 3 Gruppen unterteilt sind:

  1. Herkunft, Alter und sexuelle Orientierung
  2. Bildungsgrad, Beruf
  3. Geschlecht, körperliche Beeinträchtigung und sozialer Status

Alle Teilnehmenden ziehen jeweils eine Rollenkarte aus jeder der drei Kategorien der Identitätskärtchen. Die Zusammenstellung ergibt die Rolle, in die die Teilnehmenden für die Übung schlüpfen werden. Die Teilnehmenden versetzen sich anschließend in ihre Rolle hinein. Zur Unterstützung können sie die Augen schließen. Die Gruppenleiter_innen stellen folgende oder ähnliche Fragen, um den Prozess zu beschleunigen:

  • Wie heißt du?
  • Wie war deine Kindheit?
  • Wo lebst du?
  • Was machst du in deiner Freizeit?

Die Karten werden niemandem gezeigt und es finden auch keine Gespräch über die «neue» Identität statt. Die Teilnehmenden stellen sich in einer Reihe an einer Wand des Raumes auf. Es wird nun eine Reihe von Fragen gestellt (siehe unten: kannst du...). Alle, die in ihrer Rolle eine Frage mit „Ja” beantworten können, gehen einen Schritt vor. Antworten sie dagegen mit „Nein” oder wissen die Antwort nicht bzw. sind sich unsicher, so bleiben sie stehen. Es geht bei der Beantwortung der Fragen um eine subjektive Einschätzung, die wichtiger ist als sachliche Richtigkeit. Die Durchführenden stellen nun der Reihe nach die Fragen. Die Teilnehmenden bekommen nach jeder Frage einen Moment Zeit, um die Frage für sich im Stillen zu beantworten, und werden dann aufgefordert, gegebenfalls einen Schritt vorzugehen. Die Durchführenden stellen alle ausgewählten Fragen. Die Teilnehmenden gehen schweigend nach vorn oder bleiben stehen. Sie sollen dabei ihre Rolle immer noch für sich behalten. Wenn alle Fragen gestellt sind, bleiben die Teilnehmenden für den ersten Teil der Auswertung in ihrer Rolle an ihrem Platz stehen. Im Anhang (s. Anlage “Ein Schritt nach vorn”) ist ein größerer Fragekatalog hinterlegt, aus dem zusätzliche Fragen bei Bedarf und entsprechend dem Kontext ausgewählt werden können. In Anbetracht des Zeitlimits ist es ratsam, max. 15 Fragen zu stellen: Kannst du...

  • dich nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße sicher fühlen?
  • ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass du/deine soziale Gruppe bei der Entwicklung von Technik mitbedacht wirst/wird?
  • davon ausgehen, dass du in der Uni oder auf der Arbeit nicht diskriminiert wirst?
  • deine_n Partner_in ohne Vorbehalte auf der Straße küssen?
  • sicher sein den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit zu bekommen wie deine Kolleg_innen?
  • offen und ohne Probleme deine Religion leben?
  • dir relativ sicher sein, dass am Arbeitsplatz bzw. in der Uni deine Interessen gehört und berücksichtigt werden?
  • in jede Disko reinkommen, in die du rein willst?
  • relativ problemlos einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle annehmen?
  • davon ausgehen, dass andere Menschen dir ein großes technisches Verständnis zusprechen.
  • ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass du/deine soziale Gruppe in Zeitungsberichten mitbedacht wirst/wird?
  • davon ausgehen, dass du die gleichen Karrierechancen haben wirst wie andere Kolleg_innen mit vergleichbaren Qualifikationen?
  • beim Versuch, einen Diebstahl anzuzeigen, faire Behandlung von der Polizei erwarten?
  • sicher sein, von der Polizei nicht grundlos kontrolliert zu werden?
  • an einer Hochschule studieren?
  • dich sicher fühlen vor sexueller Belästigung und Übergriffen am Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Arbeit?

Optional: Kannst du....

  • nach etwas längerer Arbeitslosigkeit wieder eine Arbeitsstelle findest?
  • davon ausgehen, dass Technik im Allgemeinen mit Blick auf deine Bedürfnisse entwickelt wird.
  • sagen, dass Technik, die Du nutzt von Menschen entwickelt wird, die dir ähnlich sind.
  • sagen, dass andere Menschen dir ein großes technisches Verständnis zusprechen.

Hinweise zur Moderation der Auswertungsphase Hier gilt es, besondere Aufmerksamkeit bei der Moderation an den Tag zu legen, da sehr sensible Themen besprochen werden. Es ist die explizite Aufgabe der Moderation schützend einzugreifen, wenn diskriminierende/verletzende/grenzüberschreitende Äußerungen getätigt werden - auch wenn diese nicht absichtlich erfolgen. Meist ist die geeignete Umgangsweise, aufzuklären, warum diese Äußerung problematisch ist. Denn Sinn und Zweck dieses Baustein ist es nicht, Leute sprachlos zu machen und sich gar nicht mehr zu trauen, Dinge anzusprechen. Grundlage ist es aber, dass alle Teilnehmenden die Bereitschaft besitzen, sich mit den eigenen Vorurteilen auseinander zu setzen. Als Vorbereitung der Moderation ist der “Respect Guide - Leitfaden für einen respektvollen Umgang miteinander “ zu lesen sowie das Factsheet Moderation und Redeverhalten (s. Anhang).

125. Auswertung – Phase 1

Für die Durchführung der Auswertung bitte dringend die Hinweise zur Moderation beachten! Es ist ratsam, dass jeweils nur eine Person pro Durchführungs- und Auswertungsabschnitt die Übung anleitet.


Alle Teilnehmenden bleiben für die erste Auswertungsphase an dem Ort stehen, wo sie in ihrer Rolle stehen geblieben sind. Die Durchführenden sorgen für eine ruhige Atmosphäre und fordern die Teilnehmenden auf, ihre eigene Position für sich selbst zu reflektieren:

  • Schaut euch einmal um, wo ihr gerade steht. Wo stehen die anderen? Wie fühlt sich das an?

Die Durchführenden gehen nun auf das Spielfeld und sprechen einzelne Personen bezüglich ihrer Position an. Dabei sollten sowohl Personen, die ganz vorne stehen, als auch solche, die weit zurück geblieben sind, sowie Personen aus dem Mittelfeld angesprochen werden (wenn die Gruppe relativ klein ist, können auch alle befragt werden):

  • Wie fühlst du dich innerhalb deiner Rolle?
  • Wie ist es, so weit vorne zu sein? Oder wie ist es, immer nicht voran zu kommen?
  • Wann haben diejenigen, die häufig einen Schritt nach vorne machten, festgestellt, dass andere nicht so schnell vorwärts kamen wie sie?
  • Wann haben diejenigen, die weit hinten blieben, gemerkt, dass die anderen schneller vorwärts kamen?

Die hinten Stehenden bemerken meist schnell, dass sie zurückbleiben, während die Vorderen häufig erst zum Schluss bemerken, dass andere nicht mitkommen. An dieser Stelle sollte darauf hingewiesen werden, dass auch in der Realität denjenigen in privilegierten Positionen häufig ihre Privilegien so selbstverständlich sind, dass sie sie überhaupt nicht wahrnehmen, wohingegen diejenigen in marginalisierten Positionen ihre Deprivilegierung meist alltäglich spüren. Nachdem sich die Einzelnen zu ihrer Position geäußert haben, werden sie gebeten, ihre Rolle den anderen in der Gruppe vorzustellen. → Bei Zeitmangel kann dieser Austausch in der Gruppe weggelassen werden.

===145. Minute - Auswertung – Phase 2 Für den zweiten Teil der Auswertung “schütteln” die Teilnehmenden ihre Rollen ab, oder “ziehen sie aus” oder “streifen sie ab”, um aus den Rollen herauszukommen. Die weitere Auswertung findet im Stuhlkreis im Plenum statt. Eine Person der Durchführenden moderiert die Auswertung, indem z.B. folgenden Fragen gestellt und diskutiert werden: Allgemein:

  • Wie ist es euch mit der Übung ergangen?
  • Konntet ihr euch in die Situation/en der von euch gespielten Personen/Rollen hineinversetzen?
  • Konntet ihr euch die jeweiligen Lebensbedingungen vorstellen? Was war unklar, wo wart ihr euch unsicher?
  • Wie leicht oder schwer war es einzuschätzen, ob du einen Schritt nach vorn machen kannst?
  • Wo warst du dir unsicher?
  • Welche Fragen sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
  • Bilder und Stereotype zu den einzelnen Rollen
  • Woher hattet ihr die Informationen über die Lebenssituation der gezeichneten Rollen?
  • Warum wissen wir über bestimmte Personen/Rollen viel, und über andere gar nichts? (Hier kann auf die Bedeutung der Medien eingegangen werden)

Übertragung auf die gesellschaftliche Realität

  • Was hat dich in deinem Handeln eingeschränkt? (Bedeutung von Differenzlinien entlang von Kategorien wie Staatsangehörigkeit,->Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter, Religion, sozialer und finanzieller Status etc.)
  • Inwiefern spiegelt die Übung deiner Meinung nach die Gesellschaft wider?
  • Welche Möglichkeiten zur Veränderung ihrer Situation haben die verschiedenen Gruppen oder Individuen? Worauf haben sie keinen Einfluss?
  • Was sollte sich ändern? Was können wir ändern?

Übertragung auf die eigene Situation Zum Abschluss der zweiten Auswertungsphase werden die Teilnehmenden darauf hingewiesen, dass die Auswertung nun beendet ist. Bevor die Abschlussdiskussion beginnt, erhalten die Teilnehmenden etwa drei, vier Minuten Zeit, um für sich selbst über folgende drei Fragen nachzudenken. Diese Fragen werden nur laut zur Selbstreflexion vorgelesen. Sie werden nicht in gemeinsamer Runde besprochen, sondern den Teilnehmenden mit auf den Weg gegeben!

  • Wo würdest du selbst stehen, wenn du diese Übung ohne Rollenkarte als du selbst mitgemacht hättest?
  • Wie könntest du mit deinen eigenen Privilegien verantwortungsvoll und konstruktiv umgehen?
  • Oder wie könntest du deiner Marginalisierung entgegentreten?

165. Minute - gemeinsame Abschlussdiskussion

Für die Durchführung der Abschlussdiskussion bitte dringend die Hinweise zur Moderation beachten!

Im Anschluss an diese Fragen erfolgt eine gemeinsame Abschlussdiskussion, in der alle noch offenen Fragen geklärt werden können. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, auf die Informationen aus dem Wissensspeicher einzugehen sowie die verschiedenen Elemente in ihrem Zusammenwirken auszuwerten. Der Übergang zwischen Auswertung der Übung “Ein Schritt nach vorn” und der gemeinsamen Abschlussdiskussion kann je nach Situation und Gruppenzusammensetzung fließend gestaltet werden. Die Diskussionsleitung gibt sich hier klar als Moderation zu erkennen, aber hält sich im Hintergrund, wenn ein lebhaftes Streitgespräch entsteht. Sie achtet darauf, dass, falls es zu diskriminierenden Äußerungen kommt, diese aufgegriffen bzw. als solche sichtbar gemacht werden. Die Moderation achtet darauf, dass sich die Runde nach den Regeln des Respekts (wie Ausreden lassen, niemanden persönlich angreifen etc; diese dürfen auch zum Beginn genannt werden) verhält: Die Diskussionsleitung begrüßt die eingeladene Expertin und stellt sie kurz vor. Die Expertin kann bei Nachfragen oder Unischerheiten zu Rate gezogen werden. Die Abschlussdiskussion beginnt mit folgenden zwei Fragen:

  • Über die Hälfte von euch studieren Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen. Der Frauenanteil im Maschinenbaustudium liegt bei 12% und im Wirtschaftsingenieurwesen bei 25%. Welchen Einfluss hat dies auf euer Studium? Würdet ihr anders studieren, wenn das Verhältnis ausgeglichener wäre?
  • In den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der deutschen KFZ-, Elektro-, MaschinenbauIndustrie gibt es einen Frauenanteil von unter 10% (evtl. Grafik des Stifterverbands rumreichen). Hat dies einen Einfluss darauf, wie dort die Arbeitsbedingungen sind und wie das kollegiale miteinander ist? Wird dort Technik aus der Sichtweise eines bestimmten Geschlechts entwickelt oder werden hierbei alle Geschlechter gleichermaßen mitbedacht?

Bei dieser Diskussion bietet sich an für die Moderation an eine einfach-quotierte oder doppelt-quotierte Redeliste zu führen.


Einfach-quotierte Redeliste: stehen sowohl Frauen* und Männer* auf der Redeliste, werden sie abwechselnd drangenommen. Doppelt-quotierte Redeliste: stehen sowohl Frauen* und Männer* auf der Redeliste, werden sie abwechselnd drangenommen. Meldet sich jemand, der noch nie geredet hat, wird diese Person direkt vorgezogen, wobei weibliche Erstrednerinnen* nochmals männlichen Erstrednern* vorgezogen werden.


Weitere Punkte für die Abschlussdiskussion können die konkreten Ja-Nein-Fragen vom Beginn sein. Nachfragen und Meinungen zu den Informationen des Wissensspeichers können thematisiert und diskutiert werden:

  • Würdet ihr euch bei den Ja-Nein-Fragen jetzt nochmal genauso positionieren wie zu Beginn? Wenn nicht, warum nicht?
  • Gibt es Nachfragen oder Anmerkungen zu den Plakaten des Wissensspeichers?
  • Welche Rolle spielt euer Ingenieur_in-Dasein in dieser ganzen Thematik für euch?
  • Hat euch dieser Baustein neue Sichtweisen aufgezeigt / die eigene Situation überdenken lassen / abgeholt?
  • Der Stifterverband hat herausgefunden, dass kaum Menschen die 55 oder älter sind in Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeiten. Hat dies einen Einfluss auf das Arbeitsklima und die entwickelte Technik? (Siehe Grafik des Stifterverbands)
  • Persönlichen Erfahrungen zum Thema Diskriminierung? (Dies ist ein sehr sensibles Thema und sollte nur angesprochen werden, wenn durch den Ablauf der Auswertung der Übung “Ein Schritt nach vorn” ein vertrauens- und respektvollen Umgang der Teilnehmenden untereinander zu vermuten ist)

180. Minute - Feedback zum Baustein

Nach einer Schlussbemerkung holen sich die Durchführenden ein Feedback von den Teilnehmenden mit einer Methode ihrer Wahl über die Gestaltung des Bausteins und ihre Durchführungsweise ein.

185. Minute - Blauer Faden

Der Blaue Faden wird vom Seminar-Team für den ersten, kurzen Baustein und für den zweiten Diversity, Gender und Technik Baustein durchgeführt.

Hinweise und Anmerkungen.

Von den Verfasser_innen.

Gekürzte Variante.

Materialien zur Durchführung.

  • zur Vorbereitung der Moderation: Factsheet Moderation und Redeverhalten + Respect Guide
  • E-Learning
  • Wissensspeicher (siehe eigene Dokumentation)
  • Redeskript Vorstellung GenderProMint-Programm
  • Faktenkarten
  • Identitäskärtchen /Rollenkarten
  • Zwei Grafiken des Stifterverbands der Deutschen Wissenschaft und die zugrundeliegende Studie
  • Link zu allen Materialien hier.

Literaturhinweise und Quellen.