Wechseln zu: Navigation, Suche

Baukasten:Katzenvideo - Materielle und Soziale Voraussetzungen von Technik

Katzenvideo - materielle und soziale Voraussetzungen von Technik

Katzenvideo.jpg


In einer kleinen kompetitiven Aufgabe treten Kleingruppen gegeneinander an, um als erste Gruppe 100 materielle und soziale Voraussetzungen aufzudecken, die notwendig sind, um ein Video im Internet anzuschauen. Die Teilnehmenden erkennen so, dass Technik heute extrem voraussetzungsvoll ist und eine starke wechselseitige Abhängigkeit von einzelnen Techniken besteht. Zugleich erkennen sie, dass die materielle Voraussetzungen zeitlich und örtlich weitreichende Folgen haben. Die sozialen Voraussetzungen zeigen auf, dass es einer komplexen, sozialen Struktur bedarf, um Technik überhaupt auf dem aktuellen Niveau nutzbar zu machen und nutzbar zu halten. Hier spielt noch zusätzlich rein, dass die sozialen Gewohnheiten nicht leicht als solche erkennbar sind.

Titel
Katzenvideo - materielle und soziale Voraussetzungen von Technik
Thema
Materielle und soziale Voraussetzungen von Technik und ihre wechselseitige Abhängigkeit aufdecken.
Typ
Baustein, Grundbaustein in der Einstiegsitzung des Berliner Seminars
Schlagwörter
Komplexität von Technik, Voraussetzungen, wechselseitige Abhängigkeit
Lernziele
Kurze Beschreibung der Lernziele. Bitte an den 12 Modullernzielen des Seminars orientieren.
Kompetenzen
Perspektivübernahme, disziplinübergreifende Erkenntnisgewinnung, Umgang mit unvollständigen und überkomplexen Informationen, Reflexion auf Leitbilder
Lernformen
kreativ, kooperativ, faktenorientiert
Methoden
gemeinsames sammeln und assoziieren in einer Kleingruppe, Impulsvortrag
Gruppengröße
12-30
Dauer
15 Minuten
Material und Räume
Keine besonderen Anforderungen, Platz für Einzel- und Gruppenarbeit
Qualität
sehr gut. Grundbaustein in Berlin.
Semester
Sommersemester 2016. Vorversion 2014.


Vorbereitung

Vorbereitung für Moderation

30 Minuten

Vorbereitung für Teilnehmende

Keine

Ablaufplan

00. Minute - Aufgabenstellung und Kleingruppenarbeit

Die Teilnehmenden bearbeiten in Kleingruppen folgende Aufgabe: Stellt euch vor, jemand hat euch kürzlich ganz begeistert von dem neuesten Video im Internet erzählt. Sobald ihr nach Hause kommt, wollt ihr das Video unbedingt schauen.

Listet 100 materielle und soziale Voraussetzungen auf damit ihr das Video schauen könnt.

Die Kleingruppe, die zuerst 100 Voraussetzungen gelistet hat, gewinnt.

Die Teilnehmenden sitzen schon in Kleingruppen, deshalb ist einen Einteilung hier nicht notwendig. Die Aufgabenstellung stellt die Moderation nur mündlich vor. Diese achtet auch auf die Zeit, sollten nach weniger als sieben Minuten schon sehr viele Gruppen fertig werden, so kann die Zeit auch verkürzt werden.

07. Minute - Zusammentragen der Ergebnisse in der Großgruppe

Die Durchführenden gratulieren der Gruppe, die zuerst 100 Voraussetzungen zusammenbekommen hat. Falls keine Gruppe nach geraumer Zeit auf 100 Voraussetzungen kommt, dann brechen die Durchführenden das Sammeln langsam ab und küren die Gruppe zu Gewinnerin, die die meisten Voraussetzungen gesammelt hat. Sie fragen ab, ob sie ein paar “Highlights” in ihrer Voraussetzungskette haben, die ganz besonders wichtig oder besonders komisch sind.

Die Gruppe, die die wenigsten Voraussetzungen gesammelt hat, wird gefragt, warum sie so wenige haben. Oftmals hat diese Gruppe bereits intensiv über die einzelnen Voraussetzungen diskutiert, so dass ebenfalls gelobt werden kann, da sie nicht nur eine Aufgabe stupide abarbeiten, sondern kritisch bearbeiten.

Auch alle anderen Gruppen dürfen sich gerne gelobt fühlen, da sie sich die passende Mischung aus Schnelligkeit und kritischer Bearbeitung gewählt haben.

12. Minute - Impulsvortrag

Methode

Drei-minütiger Impulsvortrag mit Präsentationsfolien

Inhalt

Die Durchführenden geben durch eine eigene Liste Anregungen, was es alles für Voraussetzungen gibt, um ein Video im Internet zu schauen:

Materielle Voraussetzungen: Laptop - Tastatur Beschriftungsfarbe für die Tastatur - Spritzdüsen aus denen die Farbe kommt - Eisenerz für die Düsen - Lastwagen, der die Farbe und Düsendurch die Gegend fährt - Farbe für die Straßenmarkierung - Leitplanken und Leitpfosten - Katzenaugenmülldeponie und zu guter Letzt auch Katzen, wenn es ein Katzenvideo ist

Soziale Voraussetzungen: Ein Freund, der einem von dem Video erzählt - Menschen, die Videos schauen möchten - die Computer nutzen können - die Maschinen zur Herstellung von Spritzdüsen bedienen - Berufsschulen, die diese Menschen ausbilden - Fahrschulen, TÜV und Zulassungsstellen, die Führerscheine vergeben - Polizei, Krankenwagen, Hospitäler...

Zusammenfassung des Bausteins:

  • Technik ist heute extrem voraussetzungsvoll und abhängig
  • materielle Voraussetzungen sind zeitlich und örtlich weitreichend
  • soziale Voraussetzungen sind als Gewohnheiten nicht leicht erkennbar

Hinweise und Anmerkungen.

Von den Verfasser_innen.

Dieser Baustein wird im Berliner Seminar als Pflichtbaustein in der Einstiegsitzung des Seminars durchgeführt. Nach einer kurzen Einstiegspräsentation, was Blue Engineering ist und wie der grobe Zeitplan aussieht, wird unmittelbar dieser Baustein durchgeführt. Der Baustein wurde auch schon mehrfach auf Konferenzen oder in ähnlichen Situationen eingesetzt und hat sehr zur Auflockerung der Atmosphäre beigetragen.

Materialien zur Durchführung.

Präsentationsfolien

Literaturhinweise und Quellen.

Vom äußeren Augenschein her sind die industriellen Maschinen und Produkte isolierte Gegenstände, die wie Werkzeuge beliebig und in freier Entscheidung des Nutzers verwendet werden können. An ihnen hängt aber typischerweise ein infrastrukturelles Netz von technischen, sozialen und psychischen Bedingungen, ohne die die Geräte nicht funktionieren. Damit beispielsweise ein Auto auch wirklich genutzt werden kann, benötigt man als technische Infrastruktur ein Straßennetz mit Tankstellen, Raffinerien, Erdölquellen, Werkstätten, Versicherungen, Polizei, Unfallstationen, Rechtsanwälte, Autofabriken, Ersatzteillager und vieles mehr und auf der psycho-sozialen Seite die dazu passenden und funktionsfähigen Menschen: das Training für den Führerschein, die Verkehrserziehung für Kinder, den gewissenhaften Tankwart und Werkstattmeister, generell den sachkundigen und arbeitsamen Industriearbeiter, also Schulung, Disziplinierung, Schulung. Entsprechendes gilt für jedes der industriellen Produkte. Sie sind nur als Techniksysteme mit zugehöriger Infrastruktur und psycho-sozialer Zurichtung der Menschen funktionsfähig. (Seite 9)